Spitalsärzte lehnen Arbeitszeitverlängerung strikt ab

Vorarlberg / 17.01.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wie lange darf die Arbeitszeit eines Spitalsarztes dauern, das ist die Frage. KHBG/NUSSBAUMER

Geplante Maßnahmen der Bundesregierung stoßen auf harsche Kritik.

dornbirn Die Empörung ist groß. „Wir wehren uns gegen eine neuerliche Verlängerung der Arbeitszeiten für Spitalsärzte und verkürzte Ruhezeiten. Das ist verantwortungslos gegenüber Ärzten und Patienten“, wettert Hermann Blaßnig, Kurienobmann der angestellten Ärzte in der Vorarlberger Ärztekammer. Adressat seines Ärgers ist die neue Bundesregierung, die das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz wieder auf den Kopf stellen will. Derzeit gilt für Spitalsärzte eine 48-Stunden-Woche. Auf Basis eines sogenannten Opt-outs können sie 55 Stunden arbeiten. Diese Möglichkeit wurde allerdings bis 30. Juni 2021 befristet. Ab 1. Juli 2021 dürfte die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Spitalsärzten also 48 Stunden nicht mehr überschreiten.

Strikte Ablehnung

Die Regierungspläne sehen jedoch eine Verlängerung dieser Übergangsregelung vor, und zwar in der Form, dass die Wochenarbeitszeit dann bis zu sechs Monate auf 55 Stunden erhöht werden kann, wenn es „kurzfristige personalorganisatorische Engpässe“ gibt. Für Blaßnig ein drastischer Rückschritt, sollte die Maßnahme tatsächlich kommen. „Die Vorarlberger Spitalsärzte lehnen dies jedoch strikt ab“, betont er im VN-Gespräch. Gleiches gilt für die anvisierte Verkürzung der Ruhezeiten von elf auf fünf Stunden. „Auch wenn 48 Wochenarbeitsstunden noch weit von der Normalarbeitszeit entfernt sind, können die Spitalsärzte damit leben“, sagt Blaßnig. Das Arbeitszeitmodell sei als Erfolg zu werten, denn bis vor wenigen Jahren hätten die Kollegen noch 60 Stunden in der Woche zusammengebracht.

Mit der mehr als fünfjährigen Übergangsfrist sei den Spitalsträgern genügend Zeit eingeräumt worden, sich auf die neue Situation einzustellen, meint Hermann Blaßnig. Eine weitere Verzögerung und damit eine Verlängerung der Belastung für Spitalsärzte ist aus seiner Sicht abzulehnen. „Es wäre auch für die künftige Ärztegeneration ein falsches Signal“, verweist er auf schon jetzt teilweise bestehende Personalprobleme. Die Regierung solle die Arbeitszeiten der Spitalsärzte den Normalarbeitszeiten angleichen. Dies sei im Interesse der Gesundheit von Ärzten genauso wie der Patienten.

Pragmatische Lösung

In Vorarlberg wurde bereits 2016 ein Arbeitszeitmodell mit maximal 48 Wochenstunden umgesetzt, Opt-out-Regelung inklusive. Die Lösung kam nach intensiven Verhandlungen zwischen Land, Ärztekammer und Krankenhausbetriebsgesellschaft zustande. Zusätzlich wurden 35 neue Arztstellen in den Landeskrankenhäusern geschaffen. „Das machte die heimischen Spitäler österreichweit zu einem attraktiven Arbeitgeber. Auch die Zufriedenheit der Ärztinnen und Ärzte ist merklich gestiegen“, betont Blaßnig.

Die pragmatische Vorarlberger Lösung dürfe jedenfalls nicht aufs Spiel gesetzt werden. Der Kuriensprecher fordert die politisch Verantwortlichen im Land auf, sich dafür einzusetzen, dass das Vorarlberger Modell zum Vorbild für die Regierungsentscheidung wird.