Lohnschere wird im Alter größer

Vorarlberg / 19.01.2020 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bei Pensionen müssen Frauen mit 40 Prozent weniger auskommen als Männer.

SCHWARZACH „Das Regierungsprogramm ist schwammig, wenn es um Soziales geht“, sagt der Sprecher der Armutskonferenz, Michael Diettrich. Immerhin aber ist geplant, Altersarmut zu bekämpfen. Sie ist eher weiblich. Unter anderem ist daher ein sogenanntes „Pensionssplitting“ geplant. Doch eines nach dem anderen.

Schon die Lohnschere ist groß: In Vorarlberg verdienen unselbständig beschäftigte Frauen im Mittel um ein Drittel weniger als Männer. Bei Pensionistinnen und Pensionisten sind die Verhältnisse noch extremer. Das zeigen Daten, welche die Statistik Austria auf Basis der Lohnsteuerstatistik 2018 erhoben hat; hier sind Frauen noch stärker im Nachteil.

Konkret: Pensionisten kommen im Mittel auf einen Nettojahresbezug von 22.604 Euro. Bei Pensionistinnen beträgt der Mittelwert jedoch nur 13.578 Euro. Das sind um 40 Prozent weniger.

Großer Unterschied

Für einen direkten Vergleich am besten geeignet sind Ältere, die das Pensionsalter erreicht haben. Bei Frauen beträgt es 60, bei Männern 65. Schaut man sich in diesem Sinne die 66- bis 70-Jährigen an, ergibt sich folgendes Bild: Männer dieser Altersgruppe haben 23.537 Euro, Frauen jedoch nur 13.449 Euro. Sie haben damit um 43 Prozent weniger. Bemerkenswert: Österreichweit ist der Unterschied nach Geschlecht wesentlich kleiner: Im Mittel sind die Ruhebezüge der Pensionisten vom Boden- bis zum Neusiedlersee niedriger und die der Pensionistinnen höher als in Vorarlberg allein. Unterm Strich müssen die Frauen mit 34 Prozent weniger auskommen.

Hauptgrund für die „Pensionsschere“ ist vor allem, dass Frauen besonders hierzulande ihre Erwerbstätigkeit für die Kinderbetreuung eher länger unterbrechen und in weiterer Folge allenfalls nur Teilzeit arbeiten. Das führt zu geringeren Ansprüchen fürs Alter. ÖVP und Grüne setzen nun im Regierungsprogramm genau hier an. So soll über die Konsequenzen, die Teilzeitbeschäftigung haben kann, informiert werden. Außerdem soll generelles „Pensionssplitting“ eingeführt werden: Ansprüche, die in Kindererziehungszeiten erworben werden, sollen demnach geteilt werden. In der Regel wird das auf Kosten des Mannes gehen, der erwerbstätig ist, bzw. zugunsten der Frau erfolgen, die zu Hause bleibt. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen.

Für Michael Diettrich von der Armutskonferenz handelt es sich grundsätzlich um eine „sinnvolle Geschichte“: „In Deutschland gibt es das schon lange. Vielen Frauen wird es helfen, bei einigen Männern wird es jedoch zu Altersarmut führen.“ Und zwar dann, wenn sie selbst keine größeren Ansprüche erworben haben und einen Teil davon auch noch abtreten müssen.

Das zeigt laut Diettrich, dass weitere Maßnahmen nötig sind. Kinderbetreuungsangebote etwa, die es Frauen ermöglichen, mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen. Oder Modelle, die Eltern ermuntern, sich die Kindererziehung zu teilen. Geeignet dazu wären Förderungen für Väter und Mütter, die zu diesem Zweck ihre Arbeitszeit zu gleichen Teilen reduzieren. JOH