Bühne

Vorarlberg / 21.01.2020 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der Bub stand dazwischen. Auf der rechten Seite wurden die Schweine aus dem Stall getrieben, auf der linken Seite wartete der Schlachter. Der Bub hatte Mitleid mit den Schweinen. Auch wusste er, dass es eine Not gab, die Schweine zu schlachten, so verstand er auch den Schlachter. Die Schweine gehörten seinem Großvater. Auch der konnte ihn vom Recht überzeugen. „Es ist eine Kette, mein Enkelsohn“, sagte er. „Alles hat seine Ordnung.“ Eines wusste der Bub, niemals wollte er Schweinezüchter werden, niemals Schlachter. Er wollte einen Beruf, der den Menschen Freude bereitet. Pfarrer vielleicht, weil die Großmutter den Pfarrer als Menschenfreund lobte? Nein, doch lieber nicht.

Als er erst fünfzehn war, kam ihm die Idee, für ein Schulfest eine Band zu engagieren. Er schrieb Briefe, klebte Plakate und verhandelte schließlich mit den Musikern. Denen imponierte der Bub. Sie spielten ohne Gage, und mehr Leute, als erträumt, kamen. Weiter knüpfte er Kontakte und war schon eine kleine Firma, allerdings war er noch der Einzige, und die Firma war sein Zimmer.

Nach der Schule studierte er Medien, und nebenher veranstaltete er. Künstler kontaktierten ihn, er bekam schon Geld für seine Arbeit, und er tat alles, um ihnen Erfolg zu bescheren. Kabarettisten waren seine Kunden, Sänger, Musiker.

Einmal kam eine Frau zu ihm, die dachte, sie könnte Sängerin sein, aber leider keine gute Stimme hatte. Viel zu dünn, wie ein Fädchen. Er aber überlegte blitzschnell, wie es anzustellen wäre, ihr einen Job zu verschaffen. Sie war liebreizend. Dieses Wort fiel ihm ein, und gleichzeitig dachte er, dieses Wort ist eigentlich nicht in meinem Repertoire. Er lud sie zu einem Gespräch in das „Schwarze Kamel“, das ihr allerdings übertrieben vorkam, sie war normal angezogen, Pullover und Jeans, er trug sein bestes Stück. Sie war blond und hieß Carmen. Er lachte viel an diesem Abend. Im Bett allein dann, hatte er die zündende Idee.

Wieder saßen sie im „Schwarzen Kamel“, er trug diesmal eine Jacke, schwarz mit verziertem Revers, sehr schick, sie, was sie meistens anhatte, und sie sagte:

„Warum wieder das „Schwarze Kamel, weil du ein schwarzes Kamel bist?“

„Weil ich ein schwarzes Kamel bin, haargenau, sieh mich doch an.“ Er strich ihr die Stirnfransen aus den Augen, die blau oder grün waren, oder grau, je nachdem.

Sie verliebte sich in ihn, und gemeinsam arbeiteten sie an ihrer Bühnenshow. Da durfte sie dünn singen, und es war ideal.

„Was soll ich deiner Meinung nach erzählen“, fragte sie, „ so allein auf der Bühne?“

„Sing dein Leben“, sagte er, und sie begann mit der Geburt. Es war klug, bizarr, und das Publikum klatschte.

„Dieses Wort fiel ihm ein, und gleichzeitig dachte er, dieses Wort ist eigentlich nicht in meinem Repertoire.“

Monika Helfer

monika.helfer@vn.at

Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.