Ein Mitarbeiter und Langfinger

Vorarlberg / 21.01.2020 • 22:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Aussagen des Angeklagten (hier vor Richter Georg Furtschegger) widersprachen den Angaben des Buchhalters des Supermarktes. eckert
Die Aussagen des Angeklagten (hier vor Richter Georg Furtschegger) widersprachen den Angaben des Buchhalters des Supermarktes. eckert

Angestellter soll Einkaufsmarkt in großem Stil bestohlen haben.

Feldkirch Der angebliche schwere gewerbsmäßige Diebstahl begann im Dezember 2018 und dauerte bis Juni vergangenen Jahres. Der mutmaßliche Langfinger: ein 46-jähriger Arbeiter, der in der Filiale einer Supermarktkette beschäftigt war. Der Vater von sechs Kindern ist nun arbeitslos, musste Privatkonkurs anmelden und bekommt derzeit 1100 Euro Arbeitslosengeld. Seine Frau ist in Karenz, die meisten Kinder sind noch klein. Als er im September eine stundenweise Anstellung in dem Supermarkt im Unterland begann, sei es zu Ungereimtheiten gekommen, behaupten zumindest die Arbeitgeber. Der Mann selbst erzählt beim Prozess am Landesgericht Feldkirch eine ganz andere Geschichte.

„Ich habe im September angefangen zu arbeiten, bis Dezember aber keinen Lohn erhalten“, sagt der 46-Jährige. Er habe das Geld aber dringend gebraucht. Es sei mit Vorgesetzten ausgemacht gewesen, dass der Angestellte inzwischen Waren mitnehmen dürfe. Aufgrund der großen Kinderschar waren Pampers-Windeln offenbar sehr begehrt. „Ich durfte auch Wurst und Käse mitnehmen. Allerdings waren dies oft Waren, deren Haltbarkeitsdatum bereits abgelaufen war oder die kurz davorstanden, abzulaufen“, erzählt der Angeklagte. Im Geschäft habe er die Aufgabe gehabt, Regale einzuräumen, leere Kartons rauszubringen und Müll zu entsorgen. Der Zuständige habe bezüglich der Warenentnahmen zugesichert, dass man Lohn und Waren gegeneinander aufrechnen werde, alles sei kein Problem.

Geld aus den Kassen

Neben den Kassen des Marktes sind Schubladen, wo Wechselgeld aufbewahrt wird. „Er nahm immer wieder Münzrollen, vor allem die Ein-, und Zwei-Euro-Stücke mit“, so der einvernommene Zeuge. Den Schaden an Bargeld beziffert der mutmaßliche Geschädigte mit rund 10.000 Euro. Er selbst habe die Schadensaufstellung nicht gemacht, aber sein Chef könne sie vorlegen, meint er. Richter Georg Furtschegger ist etwas verärgert, denn es war klar, dass man diese Aufstellung bei der Verhandlung benötigen werde. „Wir können ja nicht von Schätzungen ausgehen“, macht er dem Zeugen klar.

Widersprüche

Dass er Münzrollen entwendet hat, räumt der Angeklagte ein. Ebenfalls im Zuge einer Aufrechnung meint er, dies seien höchstens 300 bis 400 Euro gewesen. Was die Waren betrifft, schätzt er den Wert auf höchstens 600 Euro.

„Gar nichts war abgesprochen, er hat die Sachen einfach selbst mitgenommen, also gestohlen. Stangenweise Zigaretten, ganze Kartons mit Tee und auch Geld. Seinen Lohn hat er immer überwiesen bekommen“, hält jener Mann entgegen, der sich um die Buchhaltung kümmert. Weil noch vieles unklar ist, muss der Prozess vertagt werden. EC