Ersterbender Kreislauf

Vorarlberg / 21.01.2020 • 20:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der Traum vom Schnee wird mit jedem Jahr eine Spur nostalgischer, als wäre die weiße Pracht irgendwo in der märchenhaften Welt der Kindheit eingefroren wie Eisblumen auf Fensterglas. Schnee und Eis ziehen beständig höher in die Berge. Selbst ein ganz einfacher Winterurlaub trägt heute Züge einer Pilgerfahrt Richtung Schnee.

Aber wir kommen damit zurecht. Längst haben wir uns an die Bilder von weißen Flecken inmitten grüner Wiesen gewöhnt. Je kärglicher die Pisten, desto opulenter gedeihen die Wellnessoasen in den Hotels der mittleren Lagen. Man stellt sich um. Und im Tal unter den Nicht-Skifahrern kursiert die wegwerfende Handbewegung: „Schnee – den brauch ich wirklich nicht!“

Ist das so? Ist die Vorstellung von lauwarmen Wintern, in denen das Land niemals zugedeckt wird, so paradiesisch? Die Natur käme nicht mehr zur Ruhe. Nichts stürbe mehr, um neuem Leben Platz zu machen. Ohne Winter bräuchte es auch keinen Frühling mehr. Der Schnee fehlt uns möglicherweise mehr, als wir ahnen.

Thomas Matt

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