„Es war laut, es flogen Akten“

Vorarlberg / 21.01.2020 • 20:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Staatsanwältin Konstanze Manhart hatte am zweiten Tag wenige Fragen.
Staatsanwältin Konstanze Manhart hatte am zweiten Tag wenige Fragen.

Arbeitskollegen des Opfers von Soner Ö. beschreiben den Tag der Tat.

Feldkirch Was geschah am 6. Februar 2019 in der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn wirklich? Vieles ist unstrittig: Soner Ö. marschiert um 15 Uhr ins Büro von Alexander A. und sticht ihn nieder. Schon um 14 Uhr taucht er auf, um seine Kontodaten abzugeben. Doch es sind die Details, die für die zentrale Frage wesentlich sind: War es Mord, wie die Staatsanwaltschaft fordert? Oder schwere Körperverletzung mit Todesfolge, wie die Verteidigung sagt? Die Details stehen im Mittelpunkt des zweiten Prozesstages gegen Soner Ö. (35) am Landesgericht in Feldkirch.

Gab es eine Unterhaltung?

Zwei Dinge sind wichtig. Erstens: Hatte Soner Ö. bereits das Messer in der Hand, als er ins Büro kam? Zweitens: Gab es noch einmal eine Auseinandersetzung oder stach er ohne Vorwarnung zu? Was das Messer betrifft, bleiben die Zeugenaussagen vage. Fast ein Jahr nach der Tat können sich viele nicht mehr an alles erinnern. Ein Zeuge befindet sich mit Alexander A. im Büro, als Soner Ö. hereinstürmt. „Als Alexander ‚Na‘ schrie, habe ich mich umgedreht.“ Es sei ein entsetztes „Na“ gewesen.„Es war laut, es flogen Akten und ein Bildschirm.“ Dann sei Soner Ö. um den Schreibtisch gelaufen, Alexander A. sei aufgestanden und „dann habe ich einen Schmerzensschrei gehört.“ Anschließend sei er rausgerannt. Alles zusammen dürfte zehn Sekunden gedauert haben. Soner Ö. sei auf Alexander A. zugestürmt. Davor habe es keinen Streit gegeben. Damit widerspricht er dem Angeklagten, der aussagte, Alexander A. habe ihn mit den Worten „du Arschloch. Bist du schon wieder da?“ empfangen. Andere Zeugen haben auch keinen Streit bemerkt.

Im Laufe der Vernehmungen steht Soner Ö. immer wieder auf, um mit seinem Verteidiger zu sprechen. Der Richter mahnt: „Stehen Sie nicht immer so ruckartig auf, Sie versetzen alle in Aufregung.“

Am Tattag taucht Soner Ö. bereits um 14 Uhr in der BH auf, um einen Kontoauszug zu bringen. „Er war freundlich und ganz normal“, erinnert sie die Sachbearbeiterin. Eine andere Mitarbeiterin erzählt: „Ich erklärte ihm, dass das Geld spätestens am Donnerstag um 16 Uhr auf der Bank ist. Aber seine Reaktion war komisch.“ Er lasse sich nicht verarschen, habe er gesagt, und sei wieder rausgestürmt. Wohl zu Alexander A. Dort kam es zu einer Diskussion oder einem Streit. Ö. soll gesagt haben: „Wir sehen uns wieder, aber nicht privat, sondern vor Gericht.“ Der Antrag sei jedenfalls sofort bearbeitet worden. Um 14:47 habe ihn Alexander A. genehmigt.
15 Minuten vor der Tat.

Verteidiger Stefan Harg meldete sich oft zu Wort.
Verteidiger Stefan Harg meldete sich oft zu Wort.
Stefan Denifl vertritt die Familie des Opfers.
Stefan Denifl vertritt die Familie des Opfers.
Soner Ö. besprach sich mehrfach mit seinem Verteidiger Wilfried Ludwig Weh.VN/Hartinger
Soner Ö. besprach sich mehrfach mit seinem Verteidiger Wilfried Ludwig Weh.VN/Hartinger