Kurzes Plädoyer der Staatsanwältin reichte

Vorarlberg / 22.01.2020 • 21:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Konstanze Manhart fragte die Geschworenen: „Können sie das glauben? Kein vernünftiger Mensch könnte das glauben.“
Konstanze Manhart fragte die Geschworenen: „Können sie das glauben? Kein vernünftiger Mensch könnte das glauben.“

Einig waren sich alle: Strafe muss sein. Nur welche, lautete die Frage.

Feldkirch Selbst Soner Ö. erklärt bei seinen Abschlussworten: „Würde ich keine Strafe bekommen, ich würde Berufung einlegen.“ Er habe eine Strafe verdient, er habe einen Fehler gemacht. Aber er bleibt dabei: Dass Alexander A. stirbt, sei keine Absicht gewesen. Also: Mord? Totschlag? Oder absichtliche Körperverletzung mit Todesfolge?

„Können Sie das glauben?“

Den Auftakt zu den Plädoyers macht Staatsanwältin Konstanze Manhart. Sie fasst sich mit sieben Minuten am kürzesten. Sie zweifelt an der Glaubwürdigkeit des Angeklagten und richtet sich direkt an die Geschworenen: „Der Angeklagte will uns weismachen, dass er Alexander A. nicht töten wollte, als er mit einem 33 Zentimeter langen Messer die BH Dornbirn betreten hat, schnurstracks ins Büro von Alexander A. marschierte und ihm das Messer tief in die Brust gerammt hat.“ Weiter: „Könnte irgendein vernünftiger Mensch das glauben? Nein.“ Das Urteil könne nur auf Mord lauten, schließt sie.

Soner Ö. hört ruhig zu

Die Vertreter der Opferfamilie, Stefan Denifl und Nicolas Stieger, sprechen wesentlich länger. Denifl betont, dass es sich Alexander A. damals nicht leicht gemacht habe, als er Soner Ö. des Landes verwiesen hat. Außerdem vermisse er das aufrichtige Reuegefühl. Soner Ö. geht bei seinem Schlussplädoyer darauf ein: „Wie kann jemand spüren, ob jemand Reue hat? Mir tut es sehr leid, was passiert ist.“ Anwalt Stieger erzählt, wie schlecht es der Mutter des Opfers geht. Er greift Soner Ö. immer wieder hart an. Dieser hört ruhig zu, blickt meist zum Anwalt. Sein Blick wandert manchmal nach unten, er räuspert sich zweimal, bleibt sonst still. Die verteidigenden Anwälte Wilfried Ludwig Weh und Stefan Harg teilen sich ihr Plädoyer.

Weh sagt, er sei in einer Verteidigung noch nie so behindert worden wie in diesem Fall. Die Tat sei schrecklich und der Angeklagte müsse dafür zurecht lange ins Gefängnis. „Aber“, sagt er zu den Geschworenen, „Ihnen muss klar sein, dass es nicht um Glauben geht, wie die Staatsanwältin sagt. Sie müssen sich 100 Prozent sicher sein, dass er mit Vorsatz handelte.“ Außerdem habe man hier einen anderen Angeklagten erlebt. „Er wurde mit Medikamenten für den Prozess vorbereitet.“ Wie berichtet wurde die Dosierung nach dem ersten Prozesstag gesenkt, nachdem er zu gedämpft gewesen sei.

Harg widmet sich dem Haller-Gutachten und blickt auf die Drogensucht von Soner Ö. zurück. „Und es stimmt nicht, dass es ihm nicht leidtut. Das Gegenteil ist der Fall.“ Am Ende folgen die Geschworenen den Ausführungen der Staatsanwältin. Soner Ö. nimmt das Urteil gefasst und ruhig zur Kenntnis. Er sagt nichts.