Wie die Kollegen auf der BH Dornbirn das Andenken an A. hochhalten

Vorarlberg / 22.01.2020 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das ist der Tatort vom 6. Februar des Vorjahrs. In der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn herrscht noch immer große Betroffenheit. VN/STEURER

BH-Mord: Einen wirklichen Schlussstrich unter das Drama könne es nie geben, sagt Freund des Opfers.

Dornbirn Der Tag der Urteilsverkündung nach der schrecklichen Bluttat an der BH Dornbirn. Die Eingangskontrolle ist streng. Sogar der Gürtel muss weg, ehe Zutritt gewährt wird. Im zweiten Stock wartet der Chef, Bezirkshauptmann Helgar Wurzer (61). „Der Tag des Urteils lässt natürlich alles noch einmal hochkommen. Das wird auch am Jahrestag der Tat, am 6. Februar, nicht anders“, weiß Wurzer.

Am Tatort

Jene sieben Mitarbeiter, die vor Gericht aussagen mussten, haben frei. Während die einen den Schlusstag des Prozesses mitverfolgen, erholen sich die anderen einfach nur. „Der Auftritt vor Gericht hat sie sehr belastet. Er war im Vorfeld wie ein Rucksack. Jetzt haben sie das hinter sich“, schildert der sehr einfühlsame Chef die Situation seiner Mitarbeiter.

Die Sozialabteilung im dritten Stock ist am Mittwoch spärlich besetzt. Auch die neue Leiterin befindet sich am Landesgericht. Beim Empfang, der seit der Bluttat mit einer Sicherheitsbarriere versehen ist, tut eine junge Mitarbeiterin Dienst. Angst habe sie nicht wirklich. „Und wenn jemand unangenehm ist, bin ich hier ja in Sicherheit“, meint sie lächelnd.

Viel Stahl und ein dickes Glasfenster. Der Empfang bei der Sozialabteilung ist nicht mehr einfach zugänglich. eine Sicherheitsmaßnahme. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Viel Stahl und ein dickes Glasfenster. Der Empfang bei der Sozialabteilung ist nicht mehr einfach zugänglich. eine Sicherheitsmaßnahme. VN/Steurer

Mit dem Bezirkshauptmann betreten wir das Büro, in dem A. arbeitete und starb. Es sieht dort auch jetzt nach Arbeit aus. Akten liegen herum, am Sims vor jenem Fenster, das den Blick auf den Kulturhauspark frei gibt, ist ein gerahmtes Bild von Alexander A. aufgestellt. Man will sich nicht vorstellen, was in diesem Zimmer vor knapp einem Jahr passiert ist. „Hier stürmte der Täter herein, dort ist er auf unserem Sozialamtsleiter los“, gestikuliert Wurzer.

Kollege und Freund

Hermann Petrik* betritt den Raum. Er arbeitete mit Alexander A. in der Sozialabteilung zusammen. „Wir waren mehr als nur Arbeitskollegen. Wir waren Freunde“, sagt er mit bedrückter Stimme. „Natürlich wühlt ein Tag wie dieser wieder alles auf. Einen wirklich Schlussstrich unter diese Sache lässt sich aber ohnehin nie ziehen“, beschreibt Petrik seine Gefühlswelt. Seit 13 Jahren arbeitet er in der Sozialabteilung, hat schon einiges erlebt. Auch, dass es laut wird. „Wenn’s das jetzt gelegentlich tut, kommen sofort die Erinnerungen an jenen Tag hoch.“

Zwei konnten nicht mehr

Claudia Mathis *, eine der 15 MitarbeiterInnen der Sozialabteilung, kann sich am heutigen Tag nicht wirklich konzentrieren. „Ich verfolge mit großer Spannung die Live-Berichterstattung vom Prozess. “ Sie würde gerne in der Sozialabteilung arbeiten und Menschen helfen, erzählt Mathis. Es komme trotzdem immer wieder vor, dass Leute unangenehm werden. „Seit dieser schrecklichen Tag lasse ich dann immer eine Tür zum Nebenzimmer offen.“ Claudia Mathis war an jenem verhängnisvollen Tag nicht im Büro. Darüber ist sie froh.

Dieses Glück hatten sieben der insgesamt 15 Kolleginnen und Kollegen, die in der Sozialabteilung der BH Dornbirn beschäftigt sind, an jenem 6. Februar des Vorjahres nicht. Sie mussten direkt oder indirekt die schreckliche Bluttat miterleben. „Zwei Kollegen haben das letztlich nicht verkraftet. Sie waren so traumatisiert, dass sie später den Dienst quittierten“, berichtet Helgar Wurzer.

„Zwei Kollegen wurden durch die Bluttat so traumatisiert, dass sie gingen.“

Helgar Wurzer, Bezirkshauptmann Dornbirn

Gedenktafel im Gang

Für die Verbliebenen gibt es bald einen weiteren emotional belasteten Tag zu überstehen: den 6. Februar, den Jahrestag des Verbrechens. „Wir werden an diesem Tag etwas Spezielles für unseren getöteten Kollegen machen“, verspricht Wurzer. Ganz sicher kommt auch eine Gedenktafel in den Gang des dritten Stocks.

Das ist der Wunsch der Angehörigen des Getöteten. Diese hatten ursprünglich vor, dem Schlusstag des Prozesses beizuwohnen. Letztlich konnten sie es nicht. „Es geht ihnen ganz schlecht“, war aus dem Umfeld der Familie zu vernehmen.