Bezirksgericht: Kaffee mit Milch und Führerschein

Vorarlberg / 23.01.2020 • 10:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Polizei stach der gefälschte Führerschein bei der Kontrolle sofort ins Auge. <span class="copyright">Symbol: VN/HB</span>
Der Polizei stach der gefälschte Führerschein bei der Kontrolle sofort ins Auge. Symbol: VN/HB

Im Bistro falsche Lenkerberechtigung gekauft und damit vor der Polizei „eingefahren“.

Dornbirn Kostspielig, weit und beschwerlich kann der Weg zum Führerschein sein. Vor allem dann, wenn man Analphabet ist. Als solchen bezeichnet sich der am Bezirksgericht Dornbirn beschuldigte Bulgare aus dem Vorarlberger Unterland. Der 44-Jährige ist zudem „momentan arbeitslos“ und hat einen Kredit von 6000 Euro offen.

Bestellung via Internet

Nun lockt das Internet mit zahlreichen Werbeseiten, die angeblich gültige EU-Führerscheine zum Kauf anbieten. Ohne langwierigen Besuch einer Fahrschule, ohne haarsträubende Kosten und nervenzerrender Prüfungen. Und das für eine Preisspanne von nur 400 bis zu 1500 Euro.  

Ein Angebot, dem der Bulgare nicht widerstehen konnte. Und frei nach dem Motto „Was man hinter sich bringt, muss man nicht vor sich herschieben“ entschloss er sich kurzerhand, das begehrte Kärtchen „Made in Bulgarien“ zu bestellen. Die „Übergabe“ erfolgte dann nur wenige Tage später durch einen Mittelsmann bei einem genüsslichen Kaffee in einem Lustenauer Lokal.  Doch eine weitere Übergabe des erworbenen Falsifikats ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Denn nach nur wenigen Kilometern Fahrt landete der gefälschte Führerschein in den Händen der Verkehrspolizisten, deren geschulten Augen solche „Fakes“ nur schwer entrinnen.

Überzeugende Verkaufspsychologie

Den Schlussstrich unter die Angelegenheit zieht schließlich das Bezirksgericht Dornbirn. Dort gibt sich der Beschuldigte ahnungslos. „Mir versicherten sie, dass es ein Original sei“, rechtfertigt er sich mit einer überaus überzeugenden Verkaufspsychologie der Anbieter. Worauf Richter Frank Plasinger entgegnet: „Haben Sie denn nicht gewusst, dass man für einen Führerschein zunächst mal eine Fahrschule besuchen muss? Und ist das nicht auch in Bulgarien so?“ Der 44-Jährige bejaht diese Frage, wenn auch nur zögerlich. Schließlich gesteht er ein: „Ich habe aus Leichtsinnigkeit einen Fehler gemacht.“

Wie auch immer, für den Beschuldigten fällt die gerichtliche Sanktion wesentlich günstiger aus als der damalige Erwerb des Falsifikats. Der Bulgare kommt mit einer außergerichtlichen Regelung (Diversion) davon. Er muss lediglich 160 Euro Geldbuße bezahlen und die Sache ist somit vom Tisch.