„Das Leben ist zu kurz für irgendwann“

Vorarlberg / 23.01.2020 • 18:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Reingard Wöss schreibt Liebesromane und Krimis.  VN/Knobel
Reingard Wöss schreibt Liebesromane und Krimis. VN/Knobel

Reingard Wöß schrieb in den letzten fünf Jahren neun Bücher.

Rankweil Die Rankweilerin Reingard Wöß (60) hat unter dem Namen Lotte R. Wöss  bereits neun Bücher veröffentlicht sowie an sechs Anthologien mitgewirkt. Die Hobby-Buchautorin lebt nach dem Motto, viel Erfreuliches in die Freizeit zu packen und Belastendes so weit wie möglich auszuklammern. Schreiben ist für sie ein Abtauchen aus dem Alltag in ihre eigene Welt. Schon als Schülerin kritzelte und dichtete sie mit Vorliebe, arbeitete an einer Schülerzeitung mit – vor einigen Jahren fand Wöß verstärkt zum Schreiben zurück. Es entstanden insgesamt acht Liebesromane, die jedoch nicht unbedingt leicht verdaulich sind. „Ich habe Probleme hineingepackt, die mir wichtig erschienen. So beschäftigte ich mich beispielsweise mit den Themen Autismus, Missbrauch, Tod und Folgen liebloser Erziehung – dabei geht es mir um das Hinterher, die Aufarbeitung. Wobei man immer bedenken muss, dass es keine Universallösungen gibt, sondern lediglich um die Erkenntnis geht, dass man daran arbeiten kann“, sagt die Rankweilerin.

Ihre ersten Bücher erschienen im Eigenverlag, die letzten wurden vom Telegonos Verlag rausgebracht. „Es hat Vor- und Nachteile, einen Verlag zu haben“, sagt sie. „Junge Autorinnen, die sich im Internet auskennen, ihre Covers selbst designen und zusätzlich im Marketing fit sind, verkaufen auch als Self-Publisher gut. Ich bin erleichtert, jetzt einen Verlag zu haben, der mir das abnimmt.“

Erfolgreicher Kriminalroman

2019 erschien ihr erster Kriminalroman „Kaltblütige Abrechnung“. Die Vorarlberger Verlag Edition V brachte ihn im Herbst als Taschenbuch heraus. Es ist das bisher erfolgreichste Buch der Autorin, mit etwa 7000 Downloads wurde er mittlerweile ins Amazon Prime Programm aufgenommen. Im Dezember 2019 kam die Kurzgeschichtensammlung “Der Mörder war immer der Weihnachtsmann“ heraus, einige Geschichten wurden im Wiener Kriminalitäten- Theater in Szene gesetzt, darunter war auch die Geschichte „Dorli von Wöss“. „Es war ein tolles Gefühl, die eigenen Worte auf der Bühne von einem professionellen Schauspieler zu hören“, erinnert sie sich. Momentan schreibt Wöß am zweiten Kriminalroman mit dem schrulligen Chefinspektor Wakolbinger und seiner Assistentin Panzenböck. Es soll im Sommer 2020 erscheinen.

Wöß schreibt neben dem Beruf, sie arbeitet in der Ordination ihres Mannes Rainer mit. „Ich musste einiges an Handwerk lernen, habe Autorenworkshops besucht, mich Communitys angeschlossen und konnte mich so entscheidend verbessern. Am meisten jedoch profitierte ich von meinen beiden Lektoren Michael Lohmann und Elsa Rieger. Als Neuling muss man Verbesserungen annehmen können, mir half jede Kritik immer enorm, auch wenn es im ersten Moment natürlich wehtut.“

Ihr Mann hat sie immer unterstützt, erzählt sie: „Er liest alle meine Bücher. Sogar die Liebesgeschichten.“ Besonders stolz ist die Rankweilerin, dass sie zum Krimifestival nach Graz eingeladen wurde. Sie wird dort im März lesen. „Ich war total von den Socken, als Robert Preis mich angeschrieben hat. Jetzt freue ich mich darauf, auch andere namhafte Autoren kennenz lernen.“

„Wenn einmal eines meiner Bücher verfilmt würde, das wäre ein Hit. So als Landkrimi im ORF – das wäre so eine Fantasievorstellung von mir. Auch einen Wunschregisseur hätte ich schon: Hans Weingarten, dessen Arbeit ich sehr bewundere. Zum Glück darf man sich ja im Traum alles wünschen“, verrät Wöß.

Im vergangenen Jahr hatte Wöß mehrere Lesungen, beispielsweise das Read and Eat im Wirtshaus Hörnlingen, zusammen mit Guntram Zoppel, und eine Lesung in der Bücherei Sulz-Röthis. Sie schätzt an Lesungen den Kontakt zum Leser und das hautnahe Feedback.

Lieblingsbuch

„Zwei Seelen für immer“ . . . – diese Geschichte hat mich emotional beim Schreiben selbst an meine Grenzen gebracht. Es geht um eine junge Frau, die jahrelang gefangen gehalten wurde und sich nun ins Leben zurückkämpft. Und natürlich um eine unendliche Liebe. Aber im Grunde genommen liegt mir jedes meiner Bücher am Herzen.“ 

Ideen hat sie noch viele. So arbeitet sie derzeit mit drei Autorinnen an einem gemeinsamen Weihnachtsprojekt. Es geht um die Liebe. Mehr darf sie vorerst nicht ausplaudern.

Einen Rat gibt Wöss allen auf den Weg: Wer schreiben möchte, solle damit anfangen: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann. Was man machen möchte, sollte man tun und nicht verschieben.“ VN-TK

Romane von Reingard Wöss

2019 Kaltblütige Abrechnung, Veilchen küsst Distelprinz
2018 (K)ein Frauenheld für immer,
Ein Wiedersehen für immer
2017 Zwei Seelen für immer, Mit Fingerspitzen für immer
2016 Hochzeitskuss mit Folgen, Von wegen verhext
2015 Schmetterlinge im Himmel