Ein Leben für die Gemeinde Lech

Vorarlberg / 23.01.2020 • 17:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Herbert Sauerwein war ein Pionier der Walser Heimatkunde.
Herbert Sauerwein war ein Pionier der Walser Heimatkunde.

Im 97. Lebensjahr starb Ehrenringträger Oberschulrat Herbert Sauerwein.

LECH Am 12. Jänner 2020 verschied nach einem erfüllten Leben Oberschulrat Herbert Sauerwein. Sein Leben war nicht nur durch Liebe und Fürsorge für seine Familie, sondern auch von großem Einsatz für die Gemeinde Lech gekennzeichnet.

Nach seinem Dienstantritt als Lehrer in Lech 1949 prägte er die Entwicklung von einer einklassigen Volksschule bis hin zu einer modernen Volks- und Hauptschule maßgeblich mit. Er leitete beide Institutionen als Direktor mit viel Engagement und Fachkenntnis bis zu seiner Pensionierung und hat als Lehrer Generationen von Lecher Familien Bildung und Wissen vermittelt.

Er war der letzte noch lebende Gründer der Vorarlberger Walservereinigung, war lange in der Vereinsführung tätig und über zwei Jahrzehnte Schriftleiter der Zeitschrift „Walserheimat in Vorarlberg“. Außer der Lecher Ortschronik schrieb er noch zahlreiche Artikel für Zeitungen und verfasste die Bücher „Bergheimat Lech“ und „Wie es war“. Neben seinem Beruf als Lehrer war er in der Volkstumspflege aktiv und war Mitarbeiter von Univ.-Prof. Dr. Karl Ilg in der Erfassung des lokalen Walser Volks- und Brauchtums.

Herbert Sauerwein wurde am 23. Juni 1923 in Innsbruck geboren und wuchs in einer kinderreichen Arbeiterfamilie in St. Anton im Montafon auf. Erst nachdem er ein Jahr auf einer Baustelle gearbeitet und damit zur Schuldentilgung der Familie beigetragen hatte, wurde er in die Lehrerbildungsanstalt Feldkirch aufgenommen.

Noch vor Abschluss der Ausbildung musste er im Frühjahr 1942 zum Kriegsdienst einrücken. Nach Einsätzen in Slowenien, Russland und Frankreich geriet er im August 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er Anfang November 1945 heimkehrte. Kurz darauf trat er wieder in die Lehrerbildungsanstalt Feldkirch ein und schloss 1946 die Ausbildung mit der Matura ab. Im Herbst des gleichen Jahres trat er in Fontanella den Dienst als Junglehrer an, wo er bis 1949 an den einklassigen Volksschulen Garlitt und Kirchberg wirkte. Dort lernte er seine spätere Frau Hilda Nigsch kennen, die er 1949 heiratete. Aus der Ehe entstammt sein Sohn Walter, der bis zu seiner Pensionierung an der Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule in Bludenz unterrichtete. Der Tod seiner Frau nach einer langen, schweren Krankheit im Herbst 1989 war ein schwerer Schicksalsschlag für Herbert Sauerwein, ebenso der plötzliche Tod seines besten Freundes, Martin Walch, im Herbst 1980 bei einem gemeinsamen Skitag.

Im Jahr 1949 übernahm er die Leitung der Volksschule Lech und wurde 1973 Direktor der Hauptschule. In Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen als Schulmann erfolgte 1978 seine Ernennung zum Oberschulrat. Nach Vollendung des 60. Lebensjahres trat er in den Ruhestand.

Er begann mit der Errichtung des Gemeindearchivs und beteiligte sich auch maßgeblich an der Gründung, dem Ausbau und der Betreuung des Walser Heimatmuseums in Lech-Tannberg. Über fünf Jahrzehnte war er Organist in der Pfarre Lech und war darüber hinaus in vielen Vereinen und Organisationen der Gemeinde Lech, wie beispielsweise der Raiffeisenbank Lech, dem Kameradschaftsbund und dem Trachtenverein, als ehrenamtlicher und oft leitender Mitarbeiter tätig. Viele Jahre berichtete er auch in den „Vorarlberger Nachrichten“ über Geschehnisse in Lech und Zürs. Im Auftrag des Verkehrsamtes Lech/Zürs veranstaltete er zahlreiche Vorträge und Ortsführungen für die Gäste und informierte dabei über die historische Entwicklung der Gemeinde Lech.

Herbert Sauerwein war auch Mitarbeiter bei der Gestaltung der Lecher Gemeindenachrichten unter Bürgermeister Robert Pfefferkorn und arbeitete auch bei der Gestaltung des Lecher Gemeindewappens und der Gestaltung des Gemeindezentrums (Kirche, Schule) mit. 1981 ernannte ihn die Vorarlberger Walservereinigung zu ihrem Ehrenmitglied. 1983 erhielt er die Ehrennadel des Vereins für Volkskunde in Wien, 1989 das Ehrenzeichen der Universität Innsbruck und 1991 das Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg. Die Gemeinde Lech verlieh ihm 1995 den Ehrenring und der Vorarlberger Museumsverein ernannte ihn 1997 zu seinem Ehrenmitglied.

Seit einigen Jahren war Herbert Sauerwein leider stark seh- und hörbehindert. Dies hat ihn in seiner Lebensqualität und bei weiteren schriftstellerischen heimatkundlichen Tätigkeiten stark eingeschränkt. Seit 21. Juli 2019 lebte er im Pflegeheim Haus Tosters, wo er am 12. Jänner 2020 verstarb. EE