Sevil Öztürk machte sich mit Trockenfrüchtestand selbstständig

Vorarlberg / 23.01.2020 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sevil Öztürk an ihrem Stand am Dornbirner Wochenmarkt. ERH

Bei „Happy Berry“ ist auch das Probieren der Trockenfrüchte selbstverständlich.

Dornbirn Den Namen „Happy Berry“ gab Sevil Öztürk, 38, ihrer Firma vor neun Jahren nicht einfach so. Sie verbindet damit die Goji-Beere, die auch Glücksbeere genannt wird, und die sie in ihrem Sortiment genau so führt wie die Weinbeere, Physalis, Cranberry oder Kumquat. Wenn die Goji-Beere auch seit Jahrtausenden ein Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin sein soll, wird sie von Sevil nicht als Heilmittel angepriesen. „Es genügt, wenn die Beere glücklich macht“, sagt die in Dornbirn Geborene mit einem Lächeln. Glücklich macht die Marktfrau auch damit, dass sie vor dem Kauf ihre leckeren Trocken­früchte gern probieren lässt – denn wer weiß schon, wie Pomelo-Schale schmeckt und ob die Ananas eher sonnengetrocknet oder kandiert dem eigenen Geschmack mehr entspricht. Sevil ist großzügig und jetzt, wo sie ihre eigene Chefin ist, darf sie das auch sein.

Immer wieder kommen Stammkunden, und Neugierige schauen, was die bunte Auswahl an Früchten und Nüssen so hergibt. „Mindestmengen gibt es bei mir nicht“, lässt die tüchtige Geschäftsfrau wissen und verkauft soeben die gewünschten zwei Stück Datteln. Die nächste Kundin braucht ein ganzes Kilo Feigen, eine andere Frau möchte den Unterschied zwischen den hellen und dunklen Aprikosen kennen.

Viele bleiben stehen

Während unseres Gesprächs fällt auf, dass es gerade ältere Menschen praktisch finden, wenn sie beim Vorbeigehen kurz stehenbleiben und etwas für ihr Müsli oder die kleine Zwischenmahlzeit einkaufen können. So auch der einstige Kulturreferent der Stadt, Albert Bohle. Er bedauert, dass er wegen der Treppen nicht mehr in das Stadtmuseum nebenan gehen kann. Und dann fällt ihm etwas ein von früher: „Den ersten Stand, an den ich mich erinnere, hatte Constantina. Es war in den Dreißigerjahren, als ich als kleiner Bub neben der Kirche um einen oder zwei Groschen ein Stollwerk oder ein Nüssle kaufte. Die Tram ist noch gefahren“, erzählt der 92-Jährige.

Früher – bei Sevil bedeutet das vor gut zehn Jahren – hieß es, sie solle nicht so viel verschenken und dafür lieber mehr verkaufen. Durch diese Rügen ihres ehemaligen Arbeitgebers, dem sie an seinem Stand aushalf, fühlte sie sich zunehmend unter Druck gesetzt. „Das hat mich genervt“, gesteht sie. Der gelernten Großhandels- und Bürokauffrau, die zehn Jahre lang im Metro gearbeitet hatte, machte in der Folge die Arbeit auf dem Markt keine Freude mehr.

Das sollte sich ändern. Als ihr Schwiegervater ihr anbot, die Grundausstattung für ihren eigenen Marktstand mit Trockenfrüchten zu finanzieren, nahm sie das gerne an. Seither ist Sevil Öztürk mit „Happy Berry“ auf den Märkten in Dornbirn, Bregenz und Hard. Auch im Winter mit einem Heizstrahler, wo sich die Mutter es fünfjährigen Sohnes Semih zwischendurch die Hände aufwärmt. erh