Warum das Vignetten-Aus weiter die Gemüter erhitzt

Vorarlberg / 23.01.2020 • 07:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Erste Zahlen lassen keine Rückschlüsse auf die Auswirkungen der Mautbefreiung zu. VN/STIPLOVSEK

Land setzt auf Transparenz und Fakten – betroffene Bürgermeister weiter kämpferisch.

Bregenz Die Mautbefreiung auf der A14 zwischen Staatsgrenze und Ausfahrt Hohenems lässt die Wogen weiter hochgehen. Seit Mitte Dezember herrscht freie Fahrt. Die Bürgermeister von Hohenems und Lustenau orten ein hausgemachtes Verkehrschaos, das einem „ewig gestrigen Denken in der Verkehrspolitik“ geschuldet ist. Im Landhaus zeigt der zuständige Landesrat Marco Tittler Verständnis für die Sorgen der Ortschefs, will gleichzeitig Fakten statt Emotionen. In einem Hintergrundgespräch mit Medienvertretern wurden nun erste Zahlen veröffentlicht, die vieles erlauben, aber keine konkreten Aussagen auf die Auswirkungen der Mautbefreiung. „Die erhobenen Verkehrsdaten lassen derzeit noch keine aussagekräftigen Rückschlüsse zu“, sagt Tittler. Eine wesentliche Veränderung der Verkehrsflüsse sei bisher jedenfalls nicht feststellbar, so ein erstes Fazit.

7000 Fahrzeuge zusätzlich

Die Daten zeigen aber auch: Der Verkehr hat weiter zugenommen. Was gefühlt jeder Autofahrer im Unteren Rheintal täglich erlebt, lässt sich auch in Zahlenmaterial festmachen. Der durchschnittliche tägliche Verkehr aus Deutschland hat im Jahresvergleich (1. bis 12. Jänner) um rund 7000 Fahrzeuge zugenommen.
Die Belastung verteilt sich auf den Bregenzerwald, Lustenau und Hohenems. Rekord-Verkehrszahlen gibt es aber auch im Montafon. „Wetterlage, Schneesituation, unterschiedlich gelegene Feiertage, noch gültige Vignetten bis Ende Jänner.“ Verkehrsexperte Jörg Zimmermann zählt eine Vielzahl an Faktoren auf, die Einfluss haben. Noch sei es jedenfalls unmöglich, Trends im Zusammenhang mit der Mautbefreiung abzuleiten. Auch weil Daten der ASFINAG für die A14 ausstehen.

20 Messstellen zwischen Hörbranz und St. Anton im Montafon stehen im Fokus der Verkehrsexperten. Sie sollen in einem Evaluierungsverfahren Daten liefern. Tittler verspricht größtmögliche Transparenz. Grundsätzlich zeigt er sich davon überzeugt, dass die Abschaffung der Vignette das richtige Mittel für die Verlagerung des Verkehrs auf das höherrangige Straßennetz sei. Die Evaluierung zu den Auswirkungen der Mautbefreiung würde jedenfalls ergebnisoffen geführt, so der Landesrat weiter.

Verkehrsexperte Zimmermann liefert unterdessen erste Interpretationen des Datenmaterials. Für das Siedlungsgebiet von Hohenems spricht er im Zusammenhang mit einer leichten Verkehrssteigerung von einer Fortschreibung eines jahrelangen Trends, die Zunahme am Grenzübergang Hohenems-Diepoldsau seien vorrangig dem Einkaufsverkehr geschuldet. Eine gewisse Entlastung ist indes auf der L190 (Lochau Klause) messbar. Aber auch hier sei nicht klar, ob dies im Zusammenhang mit der Mautbefreiung stehe, so der Experte.

Klage in Vorbereitung

Für die betroffenen Bürgermeister ändern die ersten Zahlen nichts. Der Unmut über die Entscheidung ist ungebrochen, die Kampfbereitschaft ebenfalls. Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer spricht von einem verheerenden Signal der Freien Fahrt, die sich längst herumgesprochen habe. Für Lustenau pocht er bei der Verkehrsbelastung auf ein Verbesserungsgebot und ein Verschlechterungsverbot. Sein Hohenemser Amtskollege Dieter Egger bezeichnet die Maßnahme erneut als krasse Fehlentscheidung. „Wir sind intensiv mit den Vorbereitungen einer Klage beschäftigt“, so die beiden. Ein Rechtsmittel, das den Bürgermeistern zur Verfügung stehe, sagt Landesrat Marco Tittler. Das gelte es natürlich abzuwarten. Wie auch die Evaluierung, die im Februar 2021 abgeschlossen sein soll.