Armutszeugnisse und Quereinsteiger

Vorarlberg / 24.01.2020 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Städtische Förderung für Publikumsrenner „Lichtstadt Feldkirch“ sorgt für Knatsch zwischen Volkspartei und Grünen sowie Debatten in der Montfortstadt.VN/Hartinger
Städtische Förderung für Publikumsrenner „Lichtstadt Feldkirch“ sorgt für Knatsch zwischen Volkspartei und Grünen sowie Debatten in der Montfortstadt.VN/Hartinger

Kulturlos Spektakulär und rekordverdächtig in Sachen Publikumsandrang: Die im Oktober 2018 von einem gemeinnützigen Verein um Architekt Stefan Marte (50) inszenierte „Lichtstadt“, die die historischen Mauern der Montfortstadt von Stadtchef Wolfgang Matt (64, VP) ohne klimaschädliche Feuerwerkskörper in Farbenpracht getaucht hatte, war über Wochen in aller Munde und sorgte bei ZehnTausenden Besuchern für Staunen und Begeisterung. Kein Wunder, dass Organisatoren und Stadtväter 2020 eine Wiederholung planen. Dass Feldkirch blüht mit Umweltstadträtin Marlene Thalhammer (63, Grüne) und Kulturstadträtin Ingrid Scharf (55, Grüne) gegen eine Subvention der Stadt von 140.000 Euro votierten, sorgt für Debatten. Thalhammer verweist darauf, dass der Verein bereits 2019 rund 60.000 Euro zur Vorbereitung des Spektakels 2020 erhalten habe. Klubchef Peter Stieger (47, VP) spricht von einem „Armutszeugnis für die Arbeit einer Kulturstadträtin“ und Stadtrat Benedikt König (40, VP) gar von „Kulturlosigkeit, die erschüttert“.

 

Von wegen Comeback Zehn Jahre als Gemeindechef von Bludesch sind genug. Das dürfte sich Michael Tinkhauser (50) gedacht haben, als er im Vorjahr seinen Rückzug von seinem Amt im März dieses Jahres bekannt gab. Tinkhauser, der vor der Übernahme des Bürgermeisterjobs bei der Arbeiterkammer Feldkirch tätig war, hatte sich karenzieren lassen und hätte vor diesem Hintergrund bei AK-Präsident Hubert Hämmerle (58) und Direktor Rainer Keckeis (61) freilich wieder einen adäquaten Job bekommen. Das Comeback in die AK bleibt allerdings aus: Tinkhauser, inzwischen Vater eines Kindes, wird am 1. Mai 2020 beim Vorarlberger Gemeindeverband den Bereich Soziales und Gesundheit übernehmen. Stichwort Verband. Dort dürfte es bald zur Ausschreibung eines Geschäftsführers kommen: Otmar Müller (62), der seit dreißig Jahren mitverantwortlich für den Verband zeichnet, soll sich nämlich bereits 2021 in Pension verabschieden.

 

Erbe gefunden In der Kommunalpolitik tätig zu sein, scheint nicht in allen 96 Gemeinden gefragt zu sein. So ist man im Vorfeld der Gemeindewahlen in einer Reihe von Kommunen zum Teil fieberhaft auf der Suche nach geeigneten Damen und Herren. In der Berggemeinde Brand, wo Michael Domig (48) deutlich durchblicken lässt, nicht mehr als Gemeindeoberhaupt zur Verfügung zu stehen, scheint die Suche nach einem Erben bereits in trockenen Tüchern zu sein: Als Nachfolger Domigs soll sich Alwin Beck (52) der Wahl stellen. Ob Beck einen Mitbewerber bekommen wird, steht noch nicht fest. Klaus Bitschi (46), der bereits seinen Wohnsitz von Wien-Ottakring in seine Heimatgemeinde Brand verlegt haben und mit dem Erstellen einer Liste beschäftigt sein soll, wird ebenso als (quereinsteigender) Kandidat gehandelt. Bitschi, der seine Brötchen bei einem privaten TV-Sender verdient, ist entfernter Verwandter von Parteichef Christof Bitschi (28, FP), soll jedoch mit der blauen Gesinnungsgemeinschaft „gar nichts am Hut“ haben, heißt es in der Tourismusgemeinde.