Bezirksgericht: Stripperin hatte nicht nur lange Beine

Vorarlberg / 24.01.2020 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gast will in Unterländer Strip-Lokal schamlos „ausgeplündert“ worden sein. SYMBOL: VN/PAULITSCH

. . . sondern auch lange Finger, behauptet ein angeblich bestohlener Table-Dance-Gast.

Dornbirn Er wollte mit seinem Kumpel damals „einen drauf machen“, erzählt der junge Mann Richter Frank Plasinger am Bezirksgericht Dornbirn. 850 Euro habe er an jenem Tag bei der Bank abgehoben. 500 davon für die Bezahlung der Miete, den Rest für eine gemeinsame Streiftour durch die nächtliche Stadt.

„Mein Kollege war zwar so gut wie pleite, wollte aber unbedingt ins Table-Dance-Lokal. Ich half ihm etwas aus und er verzog sich dann mit einem Mädchen nach hinten“, erinnert sich der Zeuge. Flugs sei auch er selbst umgarnt worden. „Da waren diese zwei Damen an der Bar“, erzählt er. „Eine der beiden begann an mir herumzufummeln. Sie sagte, sie hieße Laura.“

Nach hinten ins Separee

Und eben diese „Laura“ sei es auch gewesen, die ihn auf seinem Schoß sitzend überredet habe, eine Flasche Sekt springen zu lassen. Und für ein zusätzliches Schnäppchen von 50 Euro könne man es sich gemeinsam so richtig nett und gemütlich machen. Zu dritt, hinten im Separee. Denn „Janina“ sei auch dabei. „Sie sagte mir, ich dürfe ihr dann auch an den Busen greifen und sie küssen“, erzählt der junge Mann. Die Stimmung wurde immer delikater und sinnlicher. „Janina legte ihre Hand auf meinen Oberschenkel und Laura begann zu strippen. Dabei knöpfte sie mir meine Jacke auf.“ Nach einigen Minuten war die Show vorbei. Die Mädchen gingen zurück in die Bar. Ihren Galan ließen sie zurück im dunklen Separee, einsam und verlassen. Doch der erstarrte sogleich vor Schreck: „Ich griff in die Hosentasche und was musste ich feststellen? 500 Euro waren weg! Einfach verschwunden!“

Verschwunden war auch „Janina“. Nur noch „Laura“ saß an der Bar. Der ausgeplünderte Kunde stellte sie zur Rede, denn: „Ich war mir sicher: Laura hat mich mit ihrer Stripperei abgelenkt und Janina dabei meine Hunderter gefladert. Laura bat mich, nicht die Polizei zu rufen. Ich solle morgen wiederkommen, dann sei der Boss da und würde mit mir über die Sache reden, sagte sie“, erinnert sich der angeblich Bestohlene vor dem Richter.

Laura oder Roxanne?

Letzterer aber hält dem Zeugen dessen einstige Aussagen vor der Polizei vor und sagt etwas verwundert: „Wissen Sie, irgendwie kenne ich mich jetzt nicht mehr aus. Damals hieß Laura nämlich nicht Laura, sondern Roxanne und von einer Janina war auch nicht die Rede. Dagegen führten sie Namen wie Alexa oder Teresa an.“ Doch der Zeuge entgegnet schulterzuckend: „Ach, Roxanne, Janina, Alexa oder Teresa oder wie auch immer, die heißen in Wirklichkeit sowieso ganz anders!“ Richter Frank Plasinger beginnt an den verwirrenden Aussagen seines Gegenübers zu zweifeln. Zumal die Beschuldigte trotz Ladung nicht vor Gericht erschienen war, ob sie nun „Janina“, „Laura“ oder „Roxanne“ hieß. Die Verhandlung wird zur Durchführung weiterer Erhebungen vertagt.