Der Reiz des Wintercampens

Vorarlberg / 24.01.2020 • 19:21 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Martina Vollmer genießt in Lingenau Sonne und Freiheit.
Martina Vollmer genießt in Lingenau Sonne und Freiheit.

Skifahren, Ruhe und totale Freiheit – so sieht Wintercamping-Romantik aus.

AU, BEZAU, LINGENAU Die Sonne lacht vom blauen Himmel auf den Campingplatz von Artur und Christine Köb in Au. „Niemand ist momentan da. Gar niemand“, bemerkt Artur Köb. „Alle sind sie am Skifahren oder am Wandern.“ Gegen Abend werden es wieder 180 Personen sein, die es sich in den 70 Wohnwagen gemütlich machen und einen aktiven Wintertag ausklingen lassen.

Josef statt Herr Doktor

Wintercamping ist in. Auch wenn es in den Herbergen auf vier Rädern vielleicht etwas eng ist und der Komfort zumeist nicht jenem eines Hotels oder einer Pension entspricht: es hat was, das etwas andere Logieren, auch in einem klirrend kalten Winter. „Bei uns sind gerade jetzt Klinikleiter und hochrangige Geschäftsleute zugegen. Die könnten sich locker ein teures Hotel leisten. Aber sie sind lieber hier.“ Warum? „Weil sie sich hier total wohl fühlen, ungeniert im Jogginganzug herumlaufen und der Josef, Fritz oder Walter sind, statt der Herr Doktor“, erklärt Köb.

Im Winter die Stammgäste

Die betuchten Campingplatzbewohner halten sich besonders im Winter in ihren Wohnwagen auf. „Alle unsere Stammgäste stellen ihre Wagen im Oktober hin und fahren damit im März wieder weg. Sie können kommen und gehen, wann sie wollen. Da muss man nichts buchen“, beschreibt der Campingplatzbesitzer weitere Vorteile des Wintercampens.

Seit 1958 betreiben die Köbs in Au ihren Campingplatz. „Die Oma hat damit begonnen, ich habe den Betrieb 1979 von meinem Vater übernommen“, erzählt Artur Köb (56). Die Wintercamper sind seine treuesten Kundschaften. „50 Prozent Stammgäste haben wir im Winter, während das Publikum im Sommer bunt gemischt ist. Da haben wir Leute von Afrika bis Israel“, berichtet Christine Köb.

Sehnsucht nach Ruhe

Keine Menschenseele befindet sich gegen Mittag auch in den circa 30 Wagen, die sich auf dem Areal des Campingplatzes Bezau der Betreiberfamilie Albrecht befinden. „Bei so einem Wetter treibt es alle in die Natur“, stellt Franz Josef Albrecht lapidar fest, während seine Mutter nachschaut, ob tatsächlich niemand da ist.

Auf dem Lingenauer Campingplatz hat es sich Martina Vollmer (54) in der Sonne vor ihrem Wohnwagen gemütlich gemacht. „Mein Mann ist am Skifahren, ich erhole mich hier und lese“, blinzelt die Camperin in die Sonne. Auch die Vollmers könnten sich ein Ferienappartement leisten. „Wir haben das vor 22 Jahren getan. Dann erzählte uns ein Bekannter von diesem Campingplatz. Wir haben uns einen Wohnwagen gekauft und sind seitdem immer wieder da. Vor allem auch im Winter.“ Martina Vollmer ist überzeugt: „Ruhiger als hier beim Campen haben wir es nirgends.“

Die Vollmers schätzen auch die Flexibilität sehr. „Man muss nicht lange buchen. Wenn wir spontan entscheiden, von Karlsruhe hierher zu fahren, dann machen wir das einfach. Es genügt ein Anruf beim Campingplatzbetreiber.“

„Wir haben bei uns Klinikleiter und Geschäftsleute. Die sind lieber hier als in Hotels.“

Christine und Artur Köb zeigen ihren Campingplatz. An diesem sonnigen Tag sind alle Gäste ausgerückt. VN/Paulitsch
Christine und Artur Köb zeigen ihren Campingplatz. An diesem sonnigen Tag sind alle Gäste ausgerückt. VN/Paulitsch