Gefahrenpotenzial ­Lawine

Vorarlberg / 26.01.2020 • 17:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
An konkreten Ereignissen zeigte Lawinenexperte Michael Larcher die Gefahren auf.
An konkreten Ereignissen zeigte Lawinenexperte Michael Larcher die Gefahren auf.

Michael Larcher referierte über Gefahren im freien Gelände.

Bludenz „Lawinen, die wir als Menschen auslösen, sind seltene Ereignisse. Wenn sie aber stattfinden, sind sie lebensbedrohlich, denn eine Lawine verletzt nicht, sondern sie tötet“, erklärte Michael Larcher, Berg- und Skiführer sowie Bergsportchef des Alpenvereins Österreich, anlässlich seines Vortrags „Lawinen Update“ am vergangenen Dienstag in der Remise in Bludenz. Es war ein Thema, das offenkundig viele Wintersportler interessierte, denn es kamen rund 280 Besucher zu dieser spannenden Veranstaltung.

Fünf Faktoren

In Vorarlberg wurden im vergangenen Jahr sechs Personen durch Lawinen getötet und sechs verletzt. Als Gefahrenursache nannte der Experte fünf Faktoren: Neuschnee-zuwachs, Triebschnee, Altschnee-problematik, Nassschnee und Gleitschnee. Dabei sei die trockene Schneebrettlawine, die durch Menschen ausgelöst werde, am gefährlichsten. „Der Wind ist der Baumeister der Lawine. Ein Schneebrett braucht die Bindung zwischen den Schneekristallen und ist weich. Das wird oft mit Pulverschnee verwechselt“, erläuterte Larcher. Mittels Fotos und Videos wurden Gefahrenquellen analysiert, wobei der Referent immer auch auf reale Begebenheiten zurückgriff. Ganz besonders spannend war die Einbindung des Publikums, das interaktiv mit dem Handy über Fragestellungen abstimmen konnte. Die Kärtchen von „Stop or Go“ als Entscheidungs- und Handlungskonzept für Touren im freien Skiraum wurden ebenfalls vorgestellt.

Der Alpenverein gebe immer wieder Empfehlungen, es läge aber am Einzelnen, welche Risiken er einzugehen bereit ist. Bei einer Lawine gehe es nicht nur ums Ersticken, sondern um vielfältige Verletzungs- und Todesmöglichkeiten. „Warnstufe 3, eine Neigung von 40 Grad und eine Nordwand – das ist ein todgeiler Dreier“, machte er scherzhaft auf das Gefahrenpotenzial, das dieser Kombination innewohnt, aufmerksam. Ein weiteres erhebliches Gefährdungsrisiko bilde die Gruppendynamik, insbesondere bei Männern. Im zweiten Teil des Vortrags wurden LVS-Geräte, der neue Lawinenrucksack mit Batterien und die neue Rettungsdecke vorgestellt. Außerdem hob der Fachmann die Bedeutung von Schaufeln hervor: „Richtiges Schaufeln will geübt sein. Es zählt jede Sekunde, wenn jemand unter eine Lawine kommt!“ BI

Interaktiv konnte das Publikum über Fragen abstimmen, so auch Matthias Martin, Florian Rapaic und Alexander Breuss. Bi
Interaktiv konnte das Publikum über Fragen abstimmen, so auch Matthias Martin, Florian Rapaic und Alexander Breuss. Bi