Medizin mit viel weiblicher Note

Vorarlberg / 26.01.2020 • 18:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Gabriele Gort (r.) im Bild mit ihrer Assistentin Petra Ritter, hat den Schritt in die Selbstständigkeit als Ärztin nie bereut.ärztekammer
Gabriele Gort (r.) im Bild mit ihrer Assistentin Petra Ritter, hat den Schritt in die Selbstständigkeit als Ärztin nie bereut.ärztekammer

Zahl der Ärztinnen nimmt im niedergelassenen wie im Spitalsbereich zu.

Schwarzach Die Medizin wird bzw. ist schon weiblich. Das spiegelt sich nicht nur bei den Medizinstudenten wieder, von denen inzwischen mehr als die Hälfte Frauen sind, sondern auch in den Krankenhäusern und im niedergelassenen Bereich. Dort hat sich besonders viel getan, wie die von der Ärztekammer erhobenen Daten zeigen. Auffällig dabei sind vor allem die Veränderungen in der Allgemeinmedizin.

2005 beispielsweise gab es bei den Praxisgründungen 14 männliche und gerade einmal drei weibliche Vertragsinhaber. Zwischen 2010 und 2014 standen 26 männlichen Vertragsinhabern bereits 13 weibliche gegenüber. Heute sind von den 41 Vertragsinhabern 26 Frauen, wobei diese Zahl die Job-Sharing-Verträge inkludiert. In den Landeskrankenhäusern schlägt ebenfalls immer mehr die weibliche Note durch. Von 821 Medizinern sind 357 weiblich, was einem Anteil von fast 44 Prozent entspricht.

Mehr Zeit für sich selbst

Gabriele Gort ist stellvertretende Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer und Allgemeinmedizinerin in Wolfurt. „Bei Ärztinnen kommt es immer darauf an, in welcher Lebensphase sie sich gerade befinden“, sagt Gort. Als sie die Praxis von ihrem Vater übernommen hat, waren die Kinder noch relativ klein. Da sei es von Vorteil gewesen, Arbeits- und Urlaubszeiten individuell planen zu können. Allerdings würden viele Kolleginnen den mit einer Praxisgründung verbundenen Investitionsaufwand scheuen. Deshalb hält Gabriele Gort das Job-Sharing und die seit April 2019 gebotene Möglichkeit der Anstellung von Ärzten bei Ärzten für so enorm wichtig. Eva Mann, Allgemeinmedizinerin in Rankweil, war die erste, die sich mit Andrea Wölfle eine Kollegin ins Anstellungsverhältnis holte. Der Vertrag umfasst 110 Prozent, wobei Mann 80 und Wöfle 30 Prozent der Arbeit übernehmen. „Es funktioniert wunderbar“, bestätigt Eva Mann. Auf diese Weise bleibe jeder mehr Zeit für sich und ihre Bedürfnisse. Ein Job-Sharing war Mann, wie sie erklärt, EDV-mäßig zu aufwendig, weshalb sie sich für die Anstellung entschied. Die heute 62- und 61-jährigen Ärztinnen haben vor, auf Basis dieses Modells noch einige Jahre zu praktizieren. „Die anfallende Arbeit lässt sich so länger bewältigen“, ist Eva Mann überzeugt.

Gleiche Bezahlung

Nach Ansicht von Gabriele Gort bringen Medizinerinnen andere empathische Empfindungen mit, wobei die Liebe zum Beruf und zu den Menschen geschlechterunabhängig sein sollte, wie sie noch anmerkt. Fakt hingegen ist, dass Ärztinnen gleich viel verdienen wie Ärzte. „Sie bringen auch die gleiche Leistung“, betont Gort. Dieser Umstand wird auch in den Spitälern herausgestrichen. Hervorgehoben wird zudem eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung. „Die ist uns wichtig, damit die Eltern mit einem guten Gefühl ihrer Arbeit nachgehen können“, bekräftigt der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch. Die Kinderbetreuung gilt als bedeutender Faktor in der Rekrutierung von Fachkräften.

Um karenzierten Mitarbeiterinnen den Wiedereinstieg zu erleichtern, werden in den Landeskrankenhäusern sogenannte Karenzfrühstücke ausgerichtet. Sie dienen vor allem dem Informationsaustausch. Weiters erhalten Ärztinnen die Karenzzeiten angerechnet. Das heißt, sie rücken im Gehaltssystem alle zwei Jahre ganz normal eine Stufe weiter. Ebenfalls gut angenommen werden die Förderseminare für leitende Oberärztinnen. „Der Zulauf zu diesem Führungskräftetraining war so enorm, dass wir es auf alle leitenden Oberarztpositionen ausgedehnt haben“, verlautet aus der KHBG.

Aktuelle Entwicklung

46 der 92 Praxisgründungen bei Allgemein- und Fachärzten entfielen zwischen 2015 und 2019 auf Frauen

 

50 der 162 Kassenverträge von Allgemeinmedizinern sind seit diesem Jahr in weiblicher Hand.

 

344 Vertragsinhaber gibt es in der Allgemein- und Facharztmedizin derzeit. Davon sind 93 Frauen. Vor 30 Jahren waren es bei 230 Verträgen erst 18 Frauen.