Vorwürfe gegen Bischof Küng

Vorarlberg / 26.01.2020 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Klaus Küng ist neuerlich in den Strudel von Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs geraten. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung.apa
Klaus Küng ist neuerlich in den Strudel von Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs geraten. Es gilt für ihn die Unschuldsvermutung.apa

Anschuldigungen wegen angeblicher sexueller Übergriffe.

st. Pölten, feldkirch Der ehemalige Vorarlberger Diözesanbischof Klaus Küng (79) sieht sich neuerlich mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Der sexuelle Übergriff soll 2004 stattgefunden haben, das Opfer der damalige Subregens des St. Pöltner Priesterseminars, Wolfgang Rothe, gewesen sein. Küng hat die Anschuldigungen „auf das Schärfste“ zurückgewiesen, wie die Kathpress meldet. Zudem behalte sich der emeritierte Bischof rechtliche Schritte gegen die aus seiner Sicht warheitswidrigen Behauptungen vor. 

Erst Visitator, dann Bischof

Klaus Küng war von 1989 bis 2004 Bischof der Diözese Feldkirch und von 2004 bis 2018 Bischof der Diözese St. Pölten. Im Juli 2004 wurde er zum Visitator seines späteren bischöflichen Wirkungsortes bestellt, um die Situation im Priesterseminar zu klären, nachdem Vorwürfe der Kinderpornografie und praktizierter Homosexualität bekannt geworden waren. Drei Monate später ernannte Papst Johannes Paul II. den gebürtigen Vorarlberger zum Bischof der Diözese St. Pölten. Klaus Küng trat damit die Nachfolge von Kurt Krenn an.

Die Prüfung der gegen das Priesterseminar getätigten Anschuldigungen ging über Jahre. Sie führte letztlich zur Schließung der in Verruf gekommenen Ausbildungsstätte. Auch die gesamte Führung, unter ihnen der Subregens, wurden abgesetzt. Küng selbst war von 2010 bis zu seiner Emeritierung innerhalb der Bischofskonferenz auch für die kirchliche „Stiftung Operschutz“ zuständig. Nun scheint den ehemaligen Familienbischof die Vergangenheit wieder einzuholen.

Der vom Subregens nun neuerlich ins Spiel gebrachte angebliche sexuell motivierte Vorfall sei seit über einem Jahr bekannt, wiederholt durch die Polizei geprüft, jedoch aufgrund der Unglaubwürdigkeit der Quellen nicht weiter verfolgt worden, erklärte die Mediensprecherin der Diözese St. Pölten, Katharina Brandner gegenüber der Kathpress. Konkret geht es um den Abend des 6. Dezember 2004. Laut Diözese hat Bischof Küng dem Subregens in Anwesenheit des damaligen Generalvikars die vom Hl. Stuhl angeordnete Vorgehensweise mitgeteilt. Beim Weggehen habe Wolfgang Rothe einen Schwächeanfall erlitten. Daraufhin sei ihm die Gelegenheit geboten worden, sich zu erholen. Aufgrund seiner Unruhe habe ihm Bischof Küng, der auch Arzt ist, zusätzlich ein leichtes Beruhigungsmittel angeboten, was Rothe dann eingenommen habe. Rothe zufolge soll Küng nach Verabreichung des Medikaments einen sexuellen Übergriff versucht haben, was der Bischof jedoch entschieden zurückweist.

Ombudsstelle kontaktiert

Der ehemalige Subregens gab jetzt an, er habe sich mit seinen Vorwürfen 2019 an die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien gewandt. Deren Pressesprecher bestätigte das gegenüber der Kathpress. Die von Wolfgang Rothe eingebrachte Darstellung wurde demnach, wie seit dem Vorjahr vorgeschrieben, umgehend an die rechtlich zuständige vatikanische Bischofskongregation weitergeleitet.

Die Mediensprecherin der Diözese St. Pölten betonte, dass die kirchlichen Ombudsstellen durch unabhängige und weisungsfrei tätige Fachleute besetzt seien und strengstem Datenschutz unterliegen würden. „Weder Bischof Küng noch wir als Diözese haben daher Informationen über den Stand von eingebrachten Fällen“, entgegnete Brandner der Kritik von Rothe, wonach der Fall durch die Weiterleitung an die Stiftung Opferschutz ohnehin wieder bei Küng gelandet sei. Brandner: „Es ist davon auszugehen, dass streng nach den Vorgaben der gültigen Rahmenverordnung vorgegangen wird.“ VN-MM

„Die kirchlichen Ombudsstellen sind durch unabhängige Fachleute besetzt.“