Er feierte das Leben bis zuletzt

Vorarlberg / 27.01.2020 • 18:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christian Hörl war ein lebensbejahender Mensch, einer, der auch dann nicht jammerte, wenn alles gegen ihn schien. Selbst dann sah er noch das Positive.    Archiv
Christian Hörl war ein lebensbejahender Mensch, einer, der auch dann nicht jammerte, wenn alles gegen ihn schien. Selbst dann sah er noch das Positive.    Archiv

Mit Christian Hörl ging nicht nur ein grünes Urgestein, sondern auch ein Menschenfreund.

Lauterach Im September 2017 entdeckten Ärzte bei Christian Hörl einen aggressiven Gehirntumor. Ein paar Monate später führten die VN ein Gespräch mit ihm. Wir sprachen mit ihm über das Leben und seine Vergänglichkeit. Hörl war der Meinung, dass Leben ständiges Loslassen bedeutet. „Letztlich ist unser Leben ein Daraufhin-Leben auf das letzte Loslassen“, sagte der gebürtige Salzburger damals. Das Leben war für ihn „ein großes Werden und Vergehen“. Er wusste, dass das Leben kostbar und endlich ist. Aber sein Begleiter im Kopf machte es ihm noch deutlicher. Hörl lebte nun noch intensiver.

Im Schlaf gestorben

Das große Interesse für das Leben und für Menschen blieb ihm bis zu seinem Tod am 22. Jänner 2020 erhalten. Bis zuletzt feierte er das Leben. Bis zuletzt war sein Geist hellwach. „Ihm war klar, dass er sterben wird. Aber er hat bewusst aufs Leben und nicht auf den Tod geschaut“, weiß sein langjähriger Freund Peter Mennel. Dieser ist dankbar, dass seinem Freund ein friedlicher Tod beschieden war. „Er ist im Schlaf gegangen.“

Mennel wird sich ewig an Hörl erinnern. „Christian war extrem humorvoll, geistreich und im Umgang mit Menschen überaus zärtlich. Ich will damit sagen, dass er sehr wertschätzend mit Menschen umging. Für ihn gab es keinen kleinen Mann, keine kleine Frau. Alle waren groß für ihn, weil sie Menschen waren.“

Beruflich stand der Menschenfreund und studierte Betriebswirt oft im prallen Leben. Als mehrjähriger Geschäftsführer des Vereins Dowas hatte Hörl es mit obdachlosen und arbeitslosen Menschen zu tun. „Er war mit ihnen auf Augenhöhe“, erinnert sich Peter Niedermair, der heutige Dowas-Obmann, anerkennend. Laut Niedermair braucht es eine gewisse Grundempathie, um dort überhaupt arbeiten zu können. „Hörl hat übermäßig viel Empathie gehabt. Er war voll dabei und hat das Dowas gut auf den Weg gebracht.“

Ein Vordenker 

Seine Erfahrungen an der „Front“ brachte Hörl auch in die Politik ein. Als Grünen-Politiker engagierte er sich unter anderem für sozialpolitische Themen. Armut zum Beispiel war für Hörl, der von 1993 bis 2000 Landtagsabgeordneter und fünf Jahre lang auch Klubobmann der grünen Fraktion im Landtag war, ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema. Kaspanaze Simma kam mit Hörl, der das erste Parteiprogramm der Vorarlberger Grünen maßgeblich mitgestaltet und am Aufbau der Landesorganisation mitgewirkt hatte, gemeinsam in den Landtag. „Wir haben gut zusammengearbeitet und beide eine ökosoziale Steuerreform gefordert, mit einer wesentlichen Entlastung des Faktors Arbeit und höheren Preisen für nicht erneuerbare Ressourcen.“ Was das betraf, waren die beiden damals Vordenker. Heute, Jahrzehnte später, findet sich dieses politische Projekt im Arbeitsprogramm der Bundesregierung.

Laut Simma hatte sein politischer Weggefährte und Freund Christian ein großes Talent. „Er kam und blieb im Gespräch mit Menschen, die anderer Meinung waren.“ Auch später, nach seinem Ausstieg aus der Politik, als Hörl als Unternehmensberater mit dem Schwerpunkt im Kommunikationsbereich, Coaching, Supervision und Projektbegleitung tätig war, ging es ihm darum, unterschiedliche Ideen und Menschen zusammenzubringen. Peter Mennel dazu: „Er war ein Meister im Vernetzen von Menschen und hat dadurch Neues in die Welt gebracht, unter anderem das Dialog-Projekt im Bildunghaus St. Arbogast.“ Auch zu Hause organisierte Hörl regelmäßig Zusammenkünfte. Seinen letzten Dialog leitete er vor Weihnachten. „Ihm war es ein Anliegen, dass die Menschen sich gegenseitig besser verstehen“, sagt sein Sohn Manuel.

„Papa war ein Vorbild für mich“

Dieser hätte sich keinen besseren Vater wünschen können. „Papa war sehr unterstützend und ein Vorbild für mich. Das, was er von mir und meiner Schwester Magdalena gefordert hat, hat er selbst gelebt.“ Dem Sohn imponierte nicht nur seine Authentizität, sondern auch seine Begeisterung für Menschen und das Leben. Diese gipfelte im Jahr 2017 darin, dass Hörl ein Buch über Menschen schrieb, die ihn viel über das Menschliche gelehrt haben: „Unvollkommen vollkommen.“ Christian Hörl hatte noch viel vor. Er wollte die vielen Gedichte, die er im Lauf seines Lebens geschrieben hatte, veröffentlichen und noch Weiteres schreiben. Sein früher Tod machte dies zunichte.