„Rasches Erkennen ist wichtig“

Vorarlberg / 27.01.2020 • 20:01 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gabriele Hartmann ist mit vielen Fragen zum Coronavirus konfrontiert.khbg
Gabriele Hartmann ist mit vielen Fragen zum Coronavirus konfrontiert.khbg

Vorarlberg wäre für mögliche Coronavirus-Infektionen gerüstet.

Feldkirch Ihre Expertise als Fachärztin für Mikrobiologisch-Serologische Labordiagnostik ist derzeit gefragt. Ein neu aufgetauchtes Coronavirus sorgt bei Gabriele Hartmann für eine Vielzahl von medialen Anfragen. Doch die Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge im LKH Feldkirch beruhigt: „Niemand muss Angst haben, dass der hustende Sitznachbar im Bus mit dem Coronavirus infiziert ist.“ Es gehe darum, Reisende aus der chinesischen Krisenregion bzw. das Kontaktfeld dieser Personen zu beobachten, um im Verdachtsfall schnell handeln und eine Ausbreitung des Virus verhindern zu können. „Wichtig ist das rasche Erkennen“, sagt Hartmann.

Wie sich die Situation weiterentwickelt, lässt sich laut Aussage von Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher schwer einschätzen, auch weil Coronavirus-Infektionen grippeähnliche Symptome verursachen, „und wir derzeit Grippesaison haben“. Dazu kommt die Unwägbarkeit der Informationen aus China. Dafür gibt es im Land sowohl behördlicherseits wie in den Krankenhäusern entsprechende Notfallpläne. Denen zufolge ist das Infektionsteam, eine bezirksübergreifende Eingreiftruppe, für die Kontaktpersonen zuständig, die Spitäler kümmern sich um die Erkrankten.

Behördliche Beobachtung

Das Infektionsteam wurde gegründet, als Ebola ein großes Thema war und mit MERS und SARS zwei weitere virale Bedrohungen auf der Bildfläche erschienen. Im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen wurde es nicht gebraucht, wohl aber bei den im vergangenen Jahr aufgetretenen Masernfällen. Die vom Gesundheitsministerium verordnete Meldepflicht für Coronavirus-Infektionen wird von Wolfgang Grabher ausdrücklich begrüßt. „Nur so kann überhaupt etwas getan werden.“ Dazu gehören laut Epidemiegesetz beispielsweise Absonderungen. Was das Coronavirus betrifft, sieht der Plan allerdings keine Isolierung möglicher Kontaktpersonen vor. „Sie werden von der Behörde lediglich erfasst und beobachtet“, sagt Grabher. Die Kontaktpersonen müssen jedoch ein Protokoll über ihre tägliche Befindlichkeit führen. Zeigt dieses keine Auffälligkeiten, erfolgt nach zwei Wochen, so lange dauert die Inkubationszeit, die Entlassung aus der behördlichen Beobachtung.

Die Krankenhäuser sind ebenfalls für alle Eventualitäten gerüstet. „Wir haben in Feldkirch und Hohenems die Möglichkeit, Isolierzimmer einzurichten“, erklärt Gabriele Hartmann. An den Hygienevorschriften ändert das Coronavirus nichts. Schutzmaske, Schutzmantel, Schutzhandschuhe und Händedesinfektion stehen an erster Stelle. Bei der Erkrankung selbst können nur die Symptome behandelt werden. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. VN-MM

Alex Hefel erlebt die Virus-Situation in Schanghai derzeit hautnah mit.
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