Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Aussterbende Gattung

Vorarlberg / 28.01.2020 • 09:30 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Wir kommunizieren zwar ununterbrochen, nur das Gespräch stirbt langsam aus. Nicht, weil die meisten Menschen mit einem Knopf im Ohr herumliefen oder sich eigenbrötlerisch in Schweigen hüllten. Keine Sorge, das wird jetzt keine altvaterische Kulturkritik, die den digitalen Teufel an die Wand malt. Nein, geredet wird genug. Aber Gespräche kommen dabei kaum zustande.

Zumindest nicht, wenn man davon ausgeht, dass das Prinzip des Gebens und Nehmens gilt. Dann nämlich blieben all jene Begegnungen, in deren Verlauf man einfach nur zugemüllt wird mit den Befindlichkeiten seines Gegenübers, weit vor der Ziellinie auf der Strecke.

Ein gutes Gespräch kann einen Tag verwandeln. Es klingt noch beim Einschlafen nach. Vielleicht hat man Neues erfahren? Jedenfalls etwas gelernt. Gar seine eigene Sichtweise überdenken müssen? Ganz sicher aber zaubert diese eine Gewissheit dem Schläfer ein Lächeln auf die Lippen: Heute hatte ein Mensch echtes Interesse an meiner Person. Hand aufs Herz: Wann ist Ihnen das zuletzt passiert?

Thomas Matt

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