Coronavirus: Rasches Erkennen wichtig

Vorarlberg / 28.01.2020 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gesichtsmasken sind in der betroffenen chinesischen Provinz zur Mangelware geworden. AP

Gesundheitsbehörden und Spitäler im Land sind mit Notfallplänen gerüstet.

Feldkirch Ihre Expertise als Fachärztin für Mikrobiologisch-Serologische Labordiagnostik ist derzeit gefragt. Ein neu aufgetauchtes Coronavirus sorgt bei Gabriele Hartmann für eine Vielzahl von medialen Anfragen. Doch die Leiterin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionsvorsorge im LKH Feldkirch beruhigt: „Niemand muss Angst haben, dass der hustende Sitznachbar im Bus mit dem Coronavirus infiziert ist.“ Es gehe darum, Reisende aus der chinesischen Krisenregion bzw. das Kontaktfeld dieser Personen zu beobachten, um im Verdachtsfall schnell handeln und eine Ausbreitung des Virus verhindern zu können. „Wichtig ist das rasche Erkennen“, betont Hartmann.

Schwer einzuschätzen

Wie sich die Situation weiterentwickelt, lässt sich laut Aussage von Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher aber nur schwer einschätzen, auch, weil Coronavirus-Infektionen grippeähnliche Symptome verursachen, „und wir derzeit Grippesaison haben“. Dazu kommt die Unwägbarkeit der Informationen aus China. Dafür gibt es im Land sowohl behördlicherseits wie in den Krankenhäusern entsprechende Notfallpläne. Denen zufolge ist das Infektionsteam, eine bezirksübergreifende Eingreiftruppe, für die Kontaktpersonen zuständig, die Spitäler kümmern sich um die Erkrankten.  Das Risiko einer großflächigen Verbreitung der Krankheit außerhalb Chinas wird derzeit zwar als gering eingestuft, das Auftreten von Fällen innerhalb der EU kann aber nicht ausgeschlossen werden. Gestern, Montag, traf sich Grabher deshalb mit dem Infektionsteam zu einer ersten Sitzung, um Maßnahmen für alle Eventualitäten zu beraten.

Unter Beobachtung

Das Infektionsteam wurde gegründet, als Ebola ein großes Thema war und mit MERS und SARS zwei weitere virale Bedrohungen auf der Bildfläche erschienen. Im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen wurde es nicht gebraucht, wohl aber bei den im vergangenen Jahr aufgetretenen Masernfällen. Die vom Gesundheitsministerium verordnete Meldepflicht für Coronavirus-Infektionen wird von Wolfgang Grabher begrüßt. „Nur so kann überhaupt etwas getan werden.“ Dazu gehören beispielsweise Absonderungen. Was das Coronavirus betrifft, sieht der Plan allerdings keine Isolierung möglicher Kontaktpersonen vor. „Sie werden von der Behörde lediglich erfasst und beobachtet“, sagt Graber. Die Kontaktpersonen müssen jedoch ein Protokoll über ihre tägliche Befindlichkeit führen. Zeigt dieses keine Auffälligkeiten, erfolgt nach zwei Wochen, so lange dauert die Inkubationszeit, die Entlassung aus der behördlichen Beobachtung.

Keine spezifische Therapie

Die Krankenhäuser wären ebenfalls gerüstet. „Wir haben in Feldkirch und Hohenems die Möglichkeit, Isolierzimmer einzurichten“, erklärt Gabriele Hartmann. An den Hygienevorschriften ändert das Coronavirus nichts. Schutzmaske, Schutzmantel, Schutzhandschuhe und Händedesinfektion stehen an erster Stelle. Bei der Erkrankung selbst können nur die Symptome behandelt werden. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Wie die VN berichteten, machte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher bereits am Wochenende darauf aufmerksam, dass Personen mit hohem Verdacht auf eine Infektion keinesfalls einen Arzt oder eine Spitalambulanz aufsuchen dürfen. „Sie sollen sich telefonisch melden, dann wird alles arrangiert“, ließ Rüscher ausrichten.

Fragen und Antworten

Was ist ein Coronavirus?

Coronaviren (CoV) bilden eine große Familie von Viren, die beim Menschen leichte Erkältungen bis hin zu schweren Lungenentzündungen verursachen können. Coronaviren werden zwischen Tieren und Menschen übertragen. Zu den Coronaviren gehören unter anderem das MERS-Coronavirus, das 2012 erstmals beim Menschen aufgetreten ist, und das erstmals 2003 nachgewiesene SARS-Coronavirus. 2020 wurde in China ein neuartiges Coronavirus identifiziert, das zuvor noch nie beim Menschen nachgewiesen wurde.

Wie gefährlich ist dieses neuartige Coronavirus?

Wie gefährlich der Erreger ist, ist noch nicht genau abzusehen. Momentan scheint die Gefährlichkeit des neuen Coronavirus deutlich niedriger als bei MERS (bis zu 30 Prozent Sterblichkeit) und SARS (ca. 10 Prozent Sterblichkeit) zu sein. Man geht derzeit von einer Sterblichkeit von bis zu drei Prozent aus. Ähnlich wie bei der saisonalen Grippe durch Influenzaviren (Sterblichkeit unter 1 Prozent) sind vor allem alte Menschen und immungeschwächte Personen betroffen.

Wie ansteckend ist dieses neuartige Coronavirus?

Nach bisher vorliegenden Informationen besteht die Möglichkeit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Dennoch scheint das Übertragungsrisiko von Mensch zu Mensch deutlich niedriger zu sein als bei der saisonalen Grippe.

Wie äußert sich die Krankheit?

Infektionen von Menschen mit gewöhnlichen Coronaviren sind meist mild und asymptomatisch. Häufige Anzeichen einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sind Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In schwereren Fällen kann die Infektion eine Lungenentzündung, ein schweres akutes Atemwegssyndrom, Nierenversagen und sogar den Tod verursachen. Es gibt auch milde Verlaufsformen (Symptome einer Erkältung) und Infektionen ohne Symptome. Derzeit geht man davon aus, dass der Krankheitsverlauf beim neuartigen Coronavirus weniger schwer ist als bei SARS und MERS.

Können Einmal-Mundschutzmasken schützen?

Einmal-Mundschutzmasken sind kein wirksamer Schutz gegen Viren oder Bakterien, die in der Luft übertragen werden. Aber sie können dazu beitragen, das Risiko der Weiterverbreitung des Virus durch „Spritzer“ von Niesen oder Husten zu verringern.

Erregerreservoir

Vögel, Fische, Säugetiere.

Inkubationszeit

2 bis 14 Tage

Vorbeugung

Wie bei der saisonalen Grippe werden folgende Maßnahmen empfohlen: Mehrmals täglich Hände mit Wasser und Seife waschen; beim Husten oder Niesen Mund und Nase mit einem Papiertaschentuch bedecken, nicht mit den Händen; direkten Kontakt zu kranken Menschen vermeiden.