Detektive der Gesellschaft

Vorarlberg / 28.01.2020 • 19:15 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Durch Analysen wissen die Experten vom Umweltinstitut wie Vorarlberger leben.

BREGENZ Hier landet alles, was in Vorarlberg von Haushalten, Betrieben und der Industrie abfließt. 35 kommunale Kläranlagen gibt es in Vorarlberg, hinzu kommen 125 Kläranlagen oder Einleitungen der Industrie und gewerblicher Betriebe, weiß Chemiker Christoph Scheffknecht. „Klärschlamm ist eines der bestuntersuchten Umweltmedien“, so der 55-jährige Leiter der Umweltanalytik des Umweltinstituts. In dem Gebäude in der Bregenzer Montfortstraße untersuchen sie unter anderem Proben der Industrie, Klärschlamm, Klärschlammkompost, Abwässer sowie von Böden auf organische und nichtorganische Spurenstoffe. „Wir überwachen Grenzwerte. Was wir auch finden, sind Spurenstoffe aus Privathaushalten.“ Bei Industriebetrieben kommen stationäre und mobile Probeentnahmegeräte zum Einsatz. Diese nehmen rund um die Uhr zahlreiche Einzelproben, die dann 24-h-Mischproben ergeben. Bei den Spurenstoffen wurde die Analyse auch bei den Festproben in den letzten Jahrzehnten leistungsfähiger.

Viele Spurenstoffe

„Der Klärschlamm und Klärschlammkompost ist das Gedächtnis des Zulaufs und somit des Einzugsgebiets, was in den letzten Wochen passiert ist. Es ist wie ein Abbild der Gesellschaft“, so der Chemiker. „Klärschlamm ist eine wichtige Quelle für Phosphor. Ohne Phosphor, der auf unserer Erde ein endlicher Stoff ist, können Pflanzen nicht gedeihen.“ Aber nicht nur der Phosphor ist im Abwasser zu finden, sondern auch Spurenstoffe – unter anderem Weichmacher, Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel, Nanopartikel, krebserregende Stoffe wie Benzo(a)pyren, Mikrokunststoffe, Arzneiwirkstoffe sowie Metaboliten. So ist auch zum Beispiel die Industriechemikalie Nonyphenol im Klärschlammkompost in geringsten Konzentrationen enthalten. „2011 hat man im Abwasser noch 7,7 Kilogramm Nonylphenol pro Jahr in Vorarlberg nachgewiesen – 2016 sind es nur noch drei Kilogramm“, freut er sich über eine Verbesserung. „Vermeidung ist“ für den Experten „der Schlüssel zum Umweltschutz“. Um die Spurenstoffe nachzuweisen, kommt modernste Technik zum Einsatz: „Für die Untersuchung von organischen Spurenstoffen verwenden wir unter anderem Gaschromatograf mit Massenspektrometer und für die Elementanalytik, wie zum Beispiel die Bestimmung der Schwermetalle wird zumeist die Plasma-Spektrometrie verwendet. Das neueste Gerät ist ein Massenspektrometer mit induktiv gekoppeltem Plasma“, erklärt Scheffknecht bei einem Rundgang. Auch illegale Stoffe und deren Abbauprodukte, wie die Drogen Heroin, Kokain, Amphetamine sind in Vorarlberg durch Untersuchungen der Uni Innsbruck im Abwasser nachgewiesen. „Um die Drogensituation eines Landes beurteilen zu können, werden beispielsweise Bevölkerungsbefragung, Behandlungsdaten und auch abwasserbasierte Daten herangezogen“, so Thomas Neubacher von der Drogenkoordination des Landes.

Abwasserproben der Abwasserreinigungsanlage des Wasserverbands Region Hofsteig wurden im Zeitraum vom 3. bis 24. April 2018 genommen. Das Labor der Gerichtsmedizin in Innsbruck untersuchte die entnommenen Proben. Beim analysierten Konsumverhalten war Cannabis die am häufigsten konsumierte Droge. Am zweithäufigsten wurde laut dem Bericht Kokain gemessen, dessen Spitzenwerte an den Wochenenden gemessen wurden. Positiv: Fast alle Daten des Vorarlberger Drogenmonitorings lassen, so Thomas Neubacher, auf einen Rückgang beziehungsweise eine Stagnation des Opioidkonsums von unter 25-Jährigen schließen. VN-bem

„Um die Drogensituation beurteilen zu können, werden abwasserbasierte Daten herangezogen.“