Fatale Kneipentour mit Golfcart durch den Wald

Vorarlberg / 28.01.2020 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 960 Euro verurteilt. vn/gs
Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 960 Euro verurteilt. vn/gs

Ungewöhnliche Alko-Spritzfahrt endete mit Absturz und schweren Verletzungen.

Feldkirch Golfcarts sind für gediegene Fahrten auf glattem Untergrund gedacht. Keinesfalls aber für gewagte Ausflüge über Stock und Stein, auf Feldwegen und Forststraßen im Wald, und schon gar nicht bei Dunkelheit und Nässe.

„Kein Bier zu Hause“

So geschehen aber im vergangenen September im Montafon. Lenker des Vehikels war ein 19-jähriger Saisonier, sein Beifahrer ein ebenfalls in der Gastronomie beschäftigter 40-jähriger Gastarbeiter. Letzterer schrieb an jenem Abend via WhatsApp an seinen Freund und Kollegen: „Ich habe kein Bier mehr zu Hause.“ Die Antwort auf demselben Wege ließ nicht lange auf sich warten: „Ich bringe welches mit.“

Gesagt, getan. In der Unterkunft des 40-Jährigen frönten die beiden dem Genuss von mehreren Bieren. Schließlich wurde die Idee geboren, eine Kneipentour in Richtung einer etwas entfernt gelegenen Bar zu unternehmen. Gleich in nächster Nähe befand sich allerdings ein Golfcart, womit sich auch gleich die Frage nach einem Transportmittel erübrigte.

Fünf Meter abgestürzt

Aber es war eine verhängnisvolle Idee. Denn die anschließende Fahrt durch die Finsternis auf einem Forstweg endete mit einem Absturz fünf Meter tief in einen Tobel. Während der 19-jährige Lenker ungeschoren davonkam, wurde sein Kollege schwer verletzt. „Dislozierte Kieferwinkelfraktur mit anschließender Operation und mehrere beschädigte Zähne“, wird später im Landeskrankenhaus Feldkirch attestiert.

Eine Flasche Marillenschnaps

Beim Prozess am Landesgericht Feldkirch muss sich der damalige Fahrer wegen des Vergehens der fahrlässigen Körperverletzung verantworten. Doch er ist nur teilgeständig. Den Vorwurf einer damaligen Alkoholisierung weist er von sich. Obwohl sein Freund bei der Polizei einen Konsum von „einer Flasche Marillenschnaps und fünf bis sechs Dosen Bier“ protokollieren ließ. Außerdem sprach der 40-Jährige von zwei Monate andauernden Schmerzen und: „Ich konnte nur noch Suppe löffeln.“

Richterin Sabrina Tagwercher erinnert den Angeklagten an die vorliegenden WhatsApp-Meldungen und sagt: „Dass sie nichts getrunken haben, nehme ich Ihnen nicht ab.“ Doch der Angesprochene bleibt bei seinen ursprünglichen Angaben. Dass er aber ursächlich für den Unfall verantwortlich war, sieht er ein.

Teilbedingte Strafe

Der ansonsten Unbescholtene wird im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe in der Höhe von 960 Euro verurteilt, die Hälfte bedingt. An den Kollegen muss er zudem 1000 Euro Schmerzengeld berappen.

 

Nicht wie hier auf dem Rasen, so wie es sich gehört, sondern auf Wald und Wiesenwegen waren die Saisoniers mit dem Golfcart unterwegs. symbol/epa
Nicht wie hier auf dem Rasen, so wie es sich gehört, sondern auf Wald und Wiesenwegen waren die Saisoniers mit dem Golfcart unterwegs. symbol/epa