Fünfköpfige Familie verzweifelt: Bald ohne Dach über dem Kopf

Vorarlberg / 28.01.2020 • 18:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ljilja Mikulovic mit ihren Söhnen (v.l.): Dario, Daniel, Fabian und Emilio. VN/LERCH

Demnächst müssen Ljilja Mikulovic und ihre vier Kinder auch noch aus der Notwohnung hinaus.

Götzis Eine Mutter, vier Kinder und 69 Quadratmeter: Seit drei Jahren leben Ljilja Mikulovic (30) und ihre Buben auf engstem Raum in einer Notwohnung in Götzis zusammen. Die Räume sind klein, dunkel und mit weniger als dem Nötigsten ausgestattet. Für Dario (11), Fabian (10), Daniel (9) und Emilio (8) gibt es zum Schlafen nur ein Stockbett. Privatsphäre ist ein frommer Wunsch, Freunde einladen ebenso. Doch nicht nur die desolaten Wohnverhältnisse machen der Mutter zu schaffen. Ende März 2020 läuft der Mietvertrag aus. Eine neue Bleibe zu finden erweist sich als schwierig. „Bei vier Kindern winkt jeder Vermieter sofort ab“, erzählt Ljilja Mikulovic.

Zu laut für die anderen

In der Stimme der jungen Frau schwingt ein resignierter Unterton mit. Sie und ihr Mann Daniel (31), von dem sie seit einem Jahr getrennt lebt, würden zudem gerne einen Neuanfang wagen. „In dieser Wohnung ist dafür aber kein Platz“, stellt Ljilja betrübt fest.  Zudem ist sie derzeit auf Mindestsicherung angewiesen, auch ein Umstand, der ihrer Meinung nach Vermieter abschreckt.

Ljilja Mikulovic hat ihre Wurzeln in Serbien, ist jedoch in Vorarlberg geboren. Die Eltern leben in Dornbirn, andere Verwandte in Lustenau. Zwei Jahre verbrachten Ljilja und Daniel in Wien. Dort kamen auch Dario und Fabian zur Welt. Nach ihrer Rückkehr bekam die kleine Familie von der Stadt Dornbirn eine Wohnung zugewiesen. Die Familie vergrößerte sich, Daniel und Emilio wurden geboren. „Vier Kinder sind halt manchmal laut“, räumt die Mutter ein. Dem Vermieter und den Nachbarn waren sie irgendwann offenbar zu laut. Die Familie ging schließlich freiwillig. Der Preis dafür war allerdings hoch. „Zwei Monate lebten wir praktisch auf der Straße“, berichtet Ljilja Mikulovic von schwierigen Zeiten.

Aus der Mindestsicherung raus

Danach fanden sie in Götzis eine Wohnung. Um sich die geräumigen 110 Quadratmeter überhaupt leisten zu können, kratzte das Ehepaar sein gesamtes Erspartes zusammen. Das Glück währte jedoch nur kurz. „Wir kamen mit dem Vermieter nicht klar“, gibt Ljilja zu. Über Intervention von politischer Seite konnte die Familie eine Notwohnung beziehen. Was als Übergang gedacht war, wurde zum Dauerzustand. Nun droht jedoch wieder die Wohnungslosigkeit, weil der Mietvertrag in zwei Monaten ausläuft. Jeden Tag studiert Ljilja Mikulovic die Wohnungsinserate, ruft an, aber ohne Erfolg. „Ich schaffe es nicht einmal auf die Liste der Wohnungswerber“, sagt sie verzagt. Ljilja Mikulovic ist offen. Sie verhehlt nicht, dass sie auch mit den Behörden zu tun hat, etwa mit der Jugendwohlfahrt. Verstehen kann sie die Schwierigkeiten, die die Wohnungssuche bereitet, trotzdem nicht. Sie möchte wieder arbeiten gehen, um aus der Mindestsicherung herauszukommen. Ihre Mutter und andere Verwandte würden gerne auf die Buben aufpassen. Deshalb wünscht sich Ljilja Mikulovic eine leistbare Wohnung im Großraum Dornbirn. Dann könnte sie auch wieder mit ihrem Mann und dem Vater ihrer Kinder zusammenziehen.

Die Situation von Ljilja Mikulovic ist kein Einzelfall. Mehrkindfamilien oder Alleinerziehende mit mehreren Kindern sind auf dem Wohnungsmarkt fast chancenlos, heißt es vonseiten sozialer Organisationen, die mit dieser Thematik beinahe täglich konfrontiert sind.

Emilio, Fabian, Dario und Daniel (v.l.) müssen mit einem Stockbett vorliebnehmen.
Emilio, Fabian, Dario und Daniel (v.l.) müssen mit einem Stockbett vorliebnehmen.