Wie es mit Bahnhof, Seestadt und Seequartier weitergeht

Vorarlberg / 28.01.2020 • 20:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Hinter den Kulissen laufen die Gespräche auf Hochtouren. Fragen nach Parkplätzen, Nutzungsthemen und der provisorische Bahnhof als Überbrückung in der Bauzeit müssen geklärt werden. VN/HARTINGER

Bahnhof Bregenz, Seestadt und Seequartier ziehen an einem Strang. Kooperationsvertrag in Vorbereitung.

Bregenz Es kommt Bewegung in ein einst totgeglaubtes Großprojekt. Die Quartierentwicklung am Bahnhof Bregenz mit Seestadt, Seequartier und Hauptbahnhof wird immer konkreter. Mit dem Grundsatzbeschluss zum Bau der Bahninfrastruktur durch Land, ÖBB und Stadt Bregenz wurden die Karten neu gemischt. So hat im Juni des Vorjahres auch die Stadtvertretung grünes Licht gegeben. Seither wird hinter den Kulissen intensiv verhandelt. Die Fortschritte seien bemerkenswert, heißt es von den Beteiligten. Zuletzt wurden weitere Hürden genommen. Konkret sollen alle drei Bauvorhaben aufeinander abgestimmt umgesetzt werden. Ein entsprechender Kooperationsvertrag ist in Ausarbeitung.

Alle ziehen an einem Strang

Statt Einzelinteressen zu verfolgen, haben sich die Akteure mittlerweile auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Bernhard Ölz, Chef der hinter der Seestadt stehenden Primsa Holding (gemeinsam mit Spar), bezeichnet die Gespräche als konstruktiv. Mit der Neuausrichtung der eigenen Pläne bestehe auch kein Konkurrenzverhältnis mehr zum Seequartier. Jetzt gelte es, eine entsprechende Kooperationsvereinbarung auf den Boden zu bringen.

Von einer exzellenten Gesprächsbasis bei heiklen Themenkomplexen berichtet auch Bürgermeister Markus Linhart. So herrsche in Grundsatzfragen Einigkeit. Entstehen solle etwa eine eingeschoßige Tiefgarage. Weil für die Seestadt weitere Abstellflächen notwendig seien, ist eine temporär nutzbare Hochgarage im Bereich der Bezirkshauptmannschaft angedacht. 250 Stellplätze soll sie bieten und auch Chancen für das Weiherviertel und den Festspielbezirk eröffnen. Details zur Erschließung und Nutzung der Tiefgarage seien freilich noch zu lösen, schränkt Linhart ein. Hier scheinen die beiden privaten Betreiber gefordert. Positive Absichtserklärungen gebe es bei anderen Nutzungsthemen, wie der Ansiedlung eines Lebensmittelmarkts im Seequartier. Linhart bezeichnet den Durchbruch in dieser Frage als Quantensprung auf dem Weg zur Realisierung des Projekts.

Einer der nächsten großen Schritte wäre die Lösung für einen provisorischen Bahnhof.

Markus Linhart, Bregenzer Bürgermeister

Davor sind weitere Beschlüsse fällig. Es brauche eine Planungsvereinbarung für den Bahnhof, sagt Martin Dechant, Sprecher des Seequartiers. Sobald diese vorhanden sei, könne in Abstimmungen mit den Anschlussplanungen begonnen werden. Schließlich beheimatet das Seequartier mit Hotel, Lebensmittelhandel und Gastronomie wichtige Bahnhofsinfrastruktur. Für ein angrenzenden Baufeld des Seequartiers steht zudem ein möglicher neuer Architekturwettbewerb aus.

Bürgermeister Linhart drückt aufs Tempo. Die Voraussetzungen für eine notwendige Grundsatzentscheidung sollen bei der Stadtvertretungssitzung am 27. Februar stehen. Bahnhof, Seestadt und Seequartier könnten dann eine nächste Hürde nehmen. Ein Baustart im November 2020 scheint möglich.

Das sind die drei Projekte, die Bregenz ein neues Gesicht geben sollen

Im Juni wurden die Pläne für den neuen Bahnhof präsentiert. <span class="copyright">VN/Hartinger</span>
Im Juni wurden die Pläne für den neuen Bahnhof präsentiert. VN/Hartinger

Neuer Bahnhof: 77 Millionen Euro soll der neue Hauptbahnhof der Landeshauptstadt kosten. Die Finanzierung steht. Im Juni wurden die Pläne aus der Feder von Architekt Much Untertrifaller der Öffentlichkeit präsentiert. Herzstück ist ein imposantes Vordach als Holz-Glas-Konstruktion, das den Bahnhofseingang mit dem Busterminal und Fahrradabstellplätze verbindet.

Die Eberle-Türme stehen für den prominenten Eintritt in die Innenstadt. <span class="copyright">Eberle</span>
Die Eberle-Türme stehen für den prominenten Eintritt in die Innenstadt. Eberle

Das Seequartier: Die Betreiber Rhomberg Bau mit I+R-Gruppe entwickeln das Seequartier. Gesetzt sind die Eberle-Türme als prominenter Eintritt in die Innenstadt. Auch ein Hotel unmittelbar beim Bahnhof ist fix. Bei einem Gebäude mit Bahnhofsinfrastruktur wie Gastronomie und Lebensmittelhandel stehen Detailplanungen an. Ein Architekturwettbewerb für ein Baufeld steht aus.

Einzelne Baukörper mit Handelsflächen im Erdgeschoß, darüber Wohnungen und Büros.<span class="copyright"> VN/Paulitsch</span>
Einzelne Baukörper mit Handelsflächen im Erdgeschoß, darüber Wohnungen und Büros. VN/Paulitsch

Die Seestadt: Nach dem Stopp des Seestadtprojekts 2017 (die Kostenplanung für eine zweigeschoßige Tiefgarage war aus dem Ruder gelaufen), steht jetzt eine Neukonzeptionierung an. Kleinteiliger, mit weniger Einkaufsflächen, beschreibt Bernhard Ölz. Es soll eine städtische Bebauung mit Einzelprojekten realisiert werden. Unten sind Handelsflächen, darüber Wohnungen und Büros.