Notenstreit noch nicht beendet

Vorarlberg / 29.01.2020 • 20:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Steckt in einem Dilemma: Andreas Kappaurer von der Bildungsdirektion. VN
Steckt in einem Dilemma: Andreas Kappaurer von der Bildungsdirektion. VN

Bildungsdirektion will an der VS Kirchdorf Lustenau „Überzeugungsarbeit“ leisten.

Bregenz, Lustenau Der netten Worte gab es viele. Als Andreas Kappaurer (58), pädagogischer Leiter der Bildungsdirektion Vorarlberg, und der Direktor der Volksschule Lustenau Kirchdorf, Christoph Wund, nach dem Krisengespräch in Bregenz vor die Presse traten, geizten beide nicht mit gegenseitigen Respektbekundungen. „Wir haben uns die Argumente angehört und auch die Geschichte der Volksschule Kirchdorf, wie es zu dieser Haltung gekommen ist. Wir hatten ein gutes und konstruktives Gespräch“, betonte Kappaurer. Dies bestätigte auch Wund. „Wir wollten ein Zeichen setzen und mit dieser Ankündigung unsere pädagogische Haltung zum Ausdruck zu bringen“, fasste der Schulleiter das Treffen zusammen.

Einheitszweier

Was beide Herren jedoch schuldig blieben: Eine konkrete Antwort darauf, wie die Zeugnisse jener Drittklässler in Lustenau aussehen werden, deren Lehrer sich auf eine Einheitsnote für alle Schüler in Form eines Zweiers verständigt haben. Als Protest gegen die verpflichtende Ziffernnote ab der zweiten Klasse. „Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht“, antwortete Wund auf die Frage, was denn nun vor der Zeugnisausstellung an seiner Schule passieren werde. Kein Wort davon, dass er seine Lehrer zwingen wolle, ihren Schülern leistungsgerechte Ziffernnoten zu geben. Diese haben sich auf VN-Anfrage fest vorgenommen, an ihrer Vorgangsweise festzuhalten. Soll heißen: Die rund 40 Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse erhalten auf alle Fächer die Note zwei und führen das System damit ad absurdum.

Türkis-blaues Erbe

Die Volksschule Lustenau Kirchdorf gehört zu jenen 130 der insgesamt 175 Volksschulen des Landes, die sich als Schulgemeinschaft dazu entschlossen haben, die Ziffernnotengebung bis zur vierten Schulstufe durch eine alternative Leistungsbeurteilung zu ersetzen. Ein Gesetz der türkis-blauen Bundesregierung hatte die Wiedereinführung der verpflichtenden Ziffernbenotung ab der zweiten Schulstufe verfügt. Massiver Protest zahlreicher Lehrer und Eltern war die Folge, mit der Aktion in der Volksschule Lustenau Kirchdorf hat dieser Protest eine neue Dimension erreicht.

Schwierige Mission

Laut Christoph Wund gehe es bei dieser Maßnahme an seiner Schule nicht grundsätzlich um die Ablehnung der Ziffernnote. „Es geht um Schulautonomie. Wenn Schulgemeinschaften die Ziffernnote wollen, dann sollen sie diese bei der Leistungsbeurteilung verwenden. Aber es sollte den Schulen überlassen bleiben, für welches System sie sich entscheiden.“

Keine Entscheidungsfreiheit hat hingegen der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion. Er muss Bundesgesetze vollziehen. Andreas Kappaurer wird mit seinen Experten t die Pädagogen der VS Kirchdorf vor Or zu überzeugen versuchen, ihren gesetzeswidrigen Einheitsnotencoup aufzugeben. Und wenn sie das nicht tun? „Ich will den Gesprächen nicht vorgreifen“, gibt sich Kappaurer – noch – diplomatisch. VN-HK

Volksschuldirektor Christoph Wund will seine Lehrer nicht bevormunden. VN-Stiplovsek
Volksschuldirektor Christoph Wund will seine Lehrer nicht bevormunden. VN-Stiplovsek