Talent3: So geht es mit den Ländle-Zügen weiter

Vorarlberg / 29.01.2020 • 06:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Probleme mit der Betriebssoftware haben einen Einsatz der neuen Zuggarnituren für Vorarlberg verhindert. Ähnliche Probleme hat Bombardier derzeit auch in Deutschland. VN/STIPLOVSEK

Genehmigungsverfahren läuft seit 5. Dezember. Zulassungsbescheid für Talent-3-Züge noch ausständig.

Bregenz Bombardier kommt nicht aus den Schlagzeilen. Einer der Wunschlieferanten der Vorarlberger Landesregierung, der sich in einem Bieterverfahren für 21 Zuggarnituren auf den Ländle-Gleisen gegen mehrere Wettbewerber durchsetzen konnte, kämpft mit technischen Problemen. Ein zugesicherter Einsatztermin der neuen, modernen Züge zur Gymnaestrada ist längst verstrichen. Ernüchterung macht sich breit.

Während im Land Vertragspartner und Bahnkunden auf die neuen Garnituren warten, lassen Probleme des Herstellers in Deutschland aufhorchen. Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von gestern hat die Deutsche Bahn die Abnahme von 25 Doppelstockzügen verweigert. Klagen gibt es offensichtlich auch über bereits gelieferte Fahrzeuge. Demnach breche das Betriebssystem regelmäßig zusammen, zitiert die Zeitung aus internen Vermerken.

 Die Vorarlberger Züge wurden im Bombardier-Werk in Henningsdorf (Brandenburg) gefertigt. <span class="copyright">Rauch</span>
Die Vorarlberger Züge wurden im Bombardier-Werk in Henningsdorf (Brandenburg) gefertigt. Rauch

Mängel bei der Betriebssoftware haben Bombardier auch in Vorarlberg ausgebremst. Vergleichbar seien die Probleme allerdings nicht, heißt es dazu auf VN-Anfrage. Der Talent3 sei ein Triebzug, während der IC2 ein Einzelwagenkonzept darstelle. „Aus diesem Grund ist die Betriebssoftware dieser beiden Konzepte nicht miteinander vergleichbar“, so die Österreich-Sprecherin Caroline Hödl. Man habe beim Cityjet Talent3 in den vergangenen Monaten gemeinsam mit den ÖBB intensiv an der Implementierung und Optimierung der Betriebssoftware gearbeitet und diese kontinuierlich verbessert, heißt es weiter.

Ein unmittelbarer Einsatz der neuen Zuggarnituren steht dennoch nicht bevor. Noch heißt es: Bitte warten.

Verfahren läuft

Der Ball liegt mittlerweile beim Verkehrsministerium. Bombardier hat am 5. Dezember finale Dokumente für eine technische Zulassung eingebracht. Seither laufe das Verfahren, so die Bombardier-Sprecherin gegenüber den VN. Seit November würden in ganz Österreich zahlreiche Testfahrten ohne Fahrgäste stattfinden. „Diese Testphase hat wertvolle Erkenntnisse geliefert, die zu einer weiteren Verbesserung der Betriebssoftware geführt haben“, so Caroline Hödl.

Die Softwareprobleme scheint Bombardier beim Talent3 in den Griff bekommen zu haben. Ein Zulassungsbescheid steht dennoch weiter aus. Der Einsatz der neuen Züge ist nur mit einer Erteilung der Bauartgenehmigung und Betriebsbewilligung durch das Ministerium möglich. Wann das sein wird, lässt sich derzeit nicht sagen. Allerdings bleibt Bombardier bei der Einschätzung, noch im ersten Halbjahr 2020 erste Fahrgäste in den neuen Zuggarnituren in Vorarlberg befördern zu können.