Fraxner stehen hinter ihrem „Lädele“

Vorarlberg / 30.01.2020 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rund 50 Fraxner nutzten die Gelegenheit um Ideen und Anregungen zur Erhaltung des Nahversorgers einzubringen. <span class="copyright"> EGLE</span>
Rund 50 Fraxner nutzten die Gelegenheit um Ideen und Anregungen zur Erhaltung des Nahversorgers einzubringen. EGLE

Befragung und Bürgerstammtisch zeigen klares Bekenntnis zur Nahversorgung.

Fraxern Dem Kirschendorf Fraxern ergeht es gleich wie vielen anderen kleinen Gemeinden. Die örtlichen Nahversorger sind bereits weggezogen – neun Gemeinden des Landes haben keinen Dorfladen mehr – oder aber müssen um ihre Existenz kämpfen. Als Kennzahl zum wirtschaftlichen Betrieb eines Geschäfts in einer Kommune gilt: mindestens 1000 Einwohner. Fraxern und 33 weitere Gemeinden des Landes liegen allerdings unter diesem Wert.

Angebot und Öffnungszeiten

Davon und von weiteren Kennzahlen, Grundlagen und Problemen der regionalen Nahversorgung berichtete Karlheinz Marent vom „Verein Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung“ im Rahmen eines Bürgerstammtischs im Jakob-Summer-Saal. Er erklärte, warum der Nahversorger vor Ort nicht nur umweltfreundlicher und nachhaltiger ist, sondern letztendlich auch billiger als die Diskonter im Tal, und auch, wie etwa das Vorhandensein eines Dorfladens einhergeht mit dem Erhalt der Werte für Grund und Boden. Die Ausführungen von Marent und die Ergebnisse einer Befragung der Fraxner Bevölkerung waren das Fundament für die weitere Diskussion. Im überdurchschnittlich hohen Rücklauf der Fragebögen und aus den Antworten leitet sich auf jeden Fall ein Faktum ab: Ein überwiegender Teil der Fraxner steht klar hinter einem weiteren Fortbestand des Dorfladens, der von der Metzgerei Mangold aus Weiler betrieben wird. Allen voran wünscht man sich eine Erweiterung des Angebots – vorwiegend mit dörflichen und regionalen Produkten – sowie eine Ausweitung der Öffnungszeiten. Zur besseren Planung kann man sich auch die Einführung von Onlinebestellungen vorstellen. Die bestellten Waren würden dann vorbereitet und könnten dann zu einem vereinbarten Zeitpunkt selbst abgeholt werden. Damit einhergehend könnte auch eine Reduktion von weggeworfenen Lebensmitteln sein.

Karlheinz Marent mit Bürgermeister Steve Mayr führten durch den Abend.
Karlheinz Marent mit Bürgermeister Steve Mayr führten durch den Abend.

Neue Liste übt Kritik

Auch seitens der Gemeinde bekannte sich Bürgermeister Steve Mayr zur Fortführung des Ladens. Geprüft soll vorerst die Erweiterung zu einem Vollsortimentsgeschäft werden, womit auch die Möglichkeit besteht, die Fördertöpfe des Landes anzuzapfen. Genau dieser Punkt macht jedoch die neu gegründete Liste „Offene.Volks.Politik“ stutzig. Wie Fritz Lins, Sprecher der O.V.P., in einer Aussendung mitteilt, seien sie darüber entsetzt, dass die verantwortlichen Gemeindepolitiker über viele Jahre nicht in der Lage waren, die Vor-aussetzungen für die Förderungen des Landes zu schaffen bzw. einzuhalten. Immerhin zahle die Gemeinde seit 2008 Mitgliedsbeiträge an den „Verein Dörfliche Lebensqualität und Nahversorgung“, scheine dort jedoch – da die Bedingungen für eine Förderung nicht erfüllt werden – nicht einmal auf der Homepage auf.

An allererster Stelle steht aus Sicht der Gemeinde zunächst aber die Personalsuche. Die Mitarbeiterin – eine Fraxnerin – war vonseiten der Bevölkerung sehr geschätzt, diese hat sich nun aber mit Ende des Jahres 2019 für eine berufliche Neuorientierung entschieden. Das große Ziel ist es, wieder jemanden aus dem Dorf für diese Aufgabe begeistern zu können – eine bei der Bevölkerung bekannte Person als Verkaufsangestellte im Laden zu haben, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor, da neben dem Einkauf auch der persönliche Kontakt und soziale Austausch von vielen, oft älteren Kunden sehr geschätzt wird.

Arbeitsgruppe und Gemeinde werden nun die weiteren Schritte und Möglichkeiten prüfen, schlussendlich liegt es aber an jedem Fraxner und seinen persönlichen Einkaufsgewohnheiten, ob das „Dorflädele“ eine Zukunft hat. CEG, VN-WIM