Gericht: 17-fach Vorbestrafter muss ein Jahr in Haft

Vorarlberg / 30.01.2020 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte kann die über ihn verhängte Gefängnisstrafe nicht verstehen. ECKERT

Strafe Nummer 18 findet der 24-Jährige „total sinnlos“, er bekämpft das Urteil.

Christiane Eckert

Feldkirch Es scheint eine nicht enden wollende Serie zu sein: Gesetzesverstöße, Geldstrafen, einige Male Gefängnis. Dazu 15.000 Euro Schulden aus Schmerzensgeldforderungen, resultierend aus Körperverletzungen und andere Schadenswiedergutmachungen. Wie viele Vorstrafen sich mittlerweile angesammelt haben, hat der Feldkircher aus den Augen verloren. Lässig machte er es sich als Angeklagter bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch in Jogginghose, Karohemd, Turnschuhen und Mütze im Saal bequem.  Im November besuchte er eine Bar in der Bregenzer Innenstadt. Dort kam es zu einer Schlägerei, die Polizei musste mit neun Beamten ausrücken. Um abzuklären, wer in den Tumult verwickelt war, kontrollierten die Streifenpolizisten die Gäste. Der 24-Jährige zeigte sich unkooperativ, wollte sein Bier nicht abstellen. Ein Zeuge gab an, dass jemand ein Messer dabeihabe, die Beamten waren dementsprechend vorsichtig.

2,2 Promille

„Ich weiß nicht mehr viel, aber dass die Beamten voll übertrieben haben, daran kann ich mich erinnern“, so der junge Mann. Es sei ein Riesentheater gewesen, man habe ihn grob an die Wand gedrückt. „Hätten die einen Alkoholtest gemacht, hätten die gemerkt, dass ich voll betrunken war“, kritisiert der Vorbestrafte. Zu seiner Überraschung – es wurde damals ein Test durchgeführt. Der ergab zwar 2,2 Promille, doch allen Beteiligten gegenüber wirkte der Unruhestifter zeitlich und örtlich orientiert, er konnte Fragen beantworten und Gesprächen folgen. „Wenn Du mir an das Glied greifst, kriegst Du eine Ohrfeige“ drohte der Feldkircher einem Polizisten. Dazu wehrte er sich gegen die Amtshandlung, indem er sich immer wieder aus der Fixierung losriss und die Beamten bedrohte. Schlussendlich führte man den Uneinsichtigen in Handschellen ab und steckte ihn in die Ausnüchterungszelle.

Am Ende der Geduld

Nach 17 Vorstrafen, viele darunter Körperverletzungsdelikte, ist heute Schluss mit Geld- und bedingten Haftstrafen. Wegen versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt spricht Richter Georg Furtschegger zwölf Monate unbedingte Haft aus. Dass die Widerstandshandlungen nicht sehr heftig waren, wird mildernd gewertet. „Sie können der Justiz nicht vorwerfen, dass man sich bei Ihnen nicht bemüht hätte, aber Sie haben schon so viele Vorstrafen“, so der Richter. „Sie sehen ja, dass das nichts bewirkt hat, die Strafen ändern doch nichts.“ „Dass gebildete Leute wie Richter das nicht checken, das finde ich krass“, nörgelt der Verurteilte und kündigt an, dass er das Urteil bekämpfen werde. Dafür braucht er einen Anwalt, den bekommt er im Rahmen von Verfahrenshilfe gratis gestellt.