Lehrerinnen und ihr Problem mit „Verstehnix“ Faßmann

Vorarlberg / 30.01.2020 • 21:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sie wollen den Minister von ihrem pädagogischen Weg überzeugen.

LUSTENAU Evi Hagen hält sich das Kinn und lässt ihrer Gemütslage freien Lauf. „Also, dass wir heute in den Weltnachrichten bei den Meldungen noch vor dem Brexit gekommen sind. Unglaublich.“ Zehn Frauen sitzen rund um den großen Besprechungstisch im Konferenzzimmer der Volksschule Lustenau Kirchdorf. Sie unterrichten alle in den reformpädagogischen dritten Klassen. Diese nennen sich die Gallierklassen und sind nach den berühmten Figuren der Asterix-Geschichten auch so benannt. Die dort tätigen Pädagoginnen sind jetzt selbst Gallierinnen. Sie kämpfen als kleines verschworenes Dorf allein gegen das große Schulreich und sind damit österreichweit bekannt geworden.

Weg von Ziffernnote

In ihren Klassen gibt es vieles, nur bisher eines nicht: die Ziffernnote. In einem langwierigen Prozess unter Miteinbeziehung der Eltern haben sich die Pädagoginnen für die alternative Leistungsbeurteilung entschieden. Das ist schon einige Jahre her. „Wir haben uns das ja nicht einfach gemacht. Wir verstehen nicht, dass man eine so gut vorbereitete und bewährte pädagogische Maßnahme kurzerhand einfach außer Kraft setzt“, beschreibt Renate Natter, zuständig für die Majestix-Klasse, ihr Unverständnis. „Es ist ja absurd“, ergänzt Sandra Schäfer von der Asterix-Klasse, „dass wir bis 2016 die alternative Leistungsbeurteilung immer wieder nur im Rahmen eines Schulversuchs anwenden mussten. 2016 wird sie dann endlich Regelwerk, um 2018 plötzlich abgeschafft zu werden.“

Die Runde nickt. Nur in wenigen Klassen findet an der VS Lustenau Kirchdorf die Ziffernnotengebung Verwendung. „Aber wer immer das von den Kolleginnen macht, hat unser Verständnis. Uns geht es ja nicht darum, eine bestimmte Form der Leistungsbeurteilung mit Zwang jemandem überzustülpen. Wir wollen nur die Möglichkeit der freien Wahl. Das ist doch gelebte Schulautonomie“, argumentiert Simone Flatz.

Hoffen auf Happy End

Die Montessori-Pädagogin hat die Petition für die freie Wahl der Leistungsbeurteilung ins Leben gerufen. 6700 Unterschriften hat sie bereits. „Die Wahlfreiheit unterstützen auch jene Kolleginnen, die Ziffernnoten geben. Das ist ein gemeinsames Anliegen“, erklärt Birgit Sieber-Mayr, die offizielle Sprecherin und Leiterin der Idefix-Klasse der Gruppe.

Ob sie ihren Drittklässlern in der Schulnachricht tatsächlich einen Einheitszweier ins Dokument schreiben, lassen die Lehrerinnen noch offen. „Wir werden nichts ohne das Einverständnis der Eltern machen und gehen offen ins Gespräch mit der Bildungsdirektion“, versichert Renate Natter. Evi Hagen hat ihre Hoffnung auf ein Einlenken auf höchster politischer Ebene in Wien noch nicht aufgegeben. „Minister Faßmann hat im Ö3-Interview ja erklärt, die Vorarlberger sollen das Problem untereinander lösen. Das ginge ja auch so, dass man uns unseren Weg lässt“, wagt die Pädagogin eine positive Interpretation. Schließlich würden sie alle Heinz Faßmann ungern als „Verstehnix“ in ihrem kleinen Gallien sehen.