Mit dem Grauen Star ins Ausland

Vorarlberg / 30.01.2020 • 18:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Land und Spitalsmanagement stellten Maßnahmen gegen Wartezeiten vor.

Feldkirch Die in den vergangenen Wochen wieder aufgeflammte Diskussion um zu lange OP-Wartezeiten (die VN berichteten) hat einen Ball ins Rollen gebracht. Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher erklärte die schon lange schwelende Causa zur Chefinnensache, und gestern, Donnerstag, informierten die Spitalsverantwortlichen über Maßnahmen, die helfen sollen, das Problem kurz- und mittelfristig zu beheben.

Bereits ab Februar können Patienten, die einen Graue Star-Eingriff (Katarakt) benötigen, in grenznahe Augenkliniken ausweichen. Gespräche gibt es mit Friedrichshafen und der Augenklinik Reis im liechtensteinischen Bendern. Der Neubau einer Makula-Ambulanz im LKH Feldkirch soll das Nadelöhr Augenabteilung zusätzlich entlasten. Im Laufe dieses Jahres wird zudem der Vollbetrieb des OP-Zentrums angestrebt. Derzeit liegt die Auslastung bei 95 Prozent.

Mangel an OP-Personal

Wartezeiten in der Augenheilkunde: 47 Wochen. Wartezeiten in der Orthopädie: 25 Wochen. Wartezeiten bei Wirbelsäuleneingriffen: 18 Wochen. Das nährt die Emotionen. Der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, betonte, dass es nichts schön zu reden gebe. Er wolle die Situation aber auch nicht schlechtreden, sondern das Thema objektivieren, wie er sagte. Fleisch verwies darauf, dass lediglich in drei von 27 chirurgischen Fächern die Wartezeiten in einem kritischen Bereich liegen würden. „Patienten mit medizinisch dringenden Eingriffen und Notfälle müssen bei uns grundsätzlich nicht auf die Behandlung warten“, fügte Fleisch noch an. Wolfgang Bohner, der das Qualitätsmanagement der KHBG leitet, hob insgesamt den Notfallversorgungsauftrag der Landeskrankenhäuser hervor. Dafür müsse auch eine entsprechende OP-Infrastruktur vorgehalten werden. Im vergangenen Jahr verschärfte der Mangel an OP-Personal das Wartezeitenproblem zusätzlich. Inzwischen konnten, wie ebenfalls berichtet, 27 Pflegefachkräfte für das OP- und Intensivzentrum in Feldkirch rekrutiert werden. „Die Einschulung dauert mindestens ein dreiviertel Jahr. Das hängt uns immer noch ein bisschen nach“, räumte Bohner ein.

Dazu kommen neue Technologien, die für zusätzliches Patientenaufkommen sorgen. Ein Beispiel dafür ist die Behandlung der feuchten Makula-Degeneration. Die Vielzahl an Betroffenen hat demnach aufgrund der medizinischen Dringlichkeit zu einer Nachreihung von Kataraktpatienten geführt. Um hier eine Entflechtung zu erreichen, erhalten Kataraktpatienten das Angebot, für eine Behandlung ins Ausland zu gehen. Für Makula-Patienten wird bis Herbst um 1,6 Millionen Euro eine eigene Ambulanz errichtet, Personalaufstockung inklusive. Die Rede ist von jährlich 5000 Behandlungen. Als vorübergehende Maßnahme gibt es für die Augenheilkunde zudem mehr OP-Kapazitäten. Ab März wird deshalb auch an Samstagen operiert.

Ende 2019 konnten vier offene fachärztliche Stellen in der Orthopädie besetzt werden. Außerdem wurde eine weitere ärztliche Stelle in der Neurochirurgie bewilligt. Die Bewerbungen laufen derzeit. Die Zusammenlegung der Unfallchirurgie und Orthopädie bringt laut Gerald Fleisch ebenfalls Vorteile in der OP-Planung und beim Personaleinsatz. Den Oppositionsparteien SPÖ und FPÖ ist das alles zu wenig.

„Notfälle müssen bei uns grundsätzlich nicht auf Behandlung warten.“