So denkt Vorarlbergs neuer Militärkommandant über attraktiven Wehrdienst

Vorarlberg / 30.01.2020 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gunther Hessel (r.) übernahm am Donnerstag das Kommando in Vorarlberg. VN/PAULITSCH

Die Kernkompetenz des Heeres muss erhalten bleiben, sagt der neue Kommandant.

Bregenz Attraktivierung des Grundwehrdienstes? Das Bundesheer ist schon attraktiv, ist der neue Vorarlberger Militärkommandant Gunther Hessel überzeugt. Das Heer dürfe nicht zu einem Technischen Hilfswerk als Ergänzung zur Feuerwehr verkommen.

Herr Militärkommandant, wie geht es Ihnen als hochrangiger Offizier mit der aktuellen Situation im Bundesheer?

Erstens einmal: Mir geht es gut. Ich finde es auch gut, dass der vormalige Bundesminister sehr stark thematisiert hat, wo unsere Problembereiche liegen. Also dass wir aufgrund der finanziellen Situation massive Engpässe haben und bei der Modernisierung unserer Armee sehr stark im Rückstand sind. Auf der anderen Seite müssen wir aufpassen, dass wir die guten Dinge auch verkaufen, damit wir als Arbeitgeber attraktiv bleiben und weiterhin als Sicherheitsgarant gelten.

Welche guten Dinge?

Wir haben sehr engagierte und sehr professionell ausgebildete Soldaten, die mit hoher Motivation und großem Idealismus bereitstehen, um ihren Auftrag im Dienst der Sicherheit der Bevölkerung wahrzunehmen, und es gab in den letzten Jahren punktuelle Verbesserungen, das soll man nicht übersehen. Hier in Vorarlberg zum Beispiel bei der Kadersituation. Zudem hat ein junger Mann, der sich entscheidet, Berufssoldat zu werden, von Anfang an eine klare Perspektive für seine Lebenslaufbahn. Die finanzielle Situation für den jungen Kaderanwärter ist sehr gut. Der verdient wirklich nicht schlecht.

Der ehemalige Minister Thomas Starlinger warnte, dass die Einsatzfähigkeit in zehn Jahren auf null sinkt, sollte sich nichts ändern. Teilen Sie diese Einschätzung?

Was die Aufgaben bei uns im Land betrifft, glaube ich, dass es nicht ganz so schlimm ist. Aber wenn wir unsere Kernkompetenzen hernehmen, also den bewaffneten Kampf, gebe ich ihm recht. Dann wird unsere Einsatzfähigkeit für höchste Intensität nicht mehr gegeben sein. Starlinger hat die Armee am Scheideweg gesehen: Werden wir immer mehr zu einem Technischen Hilfswerk als Ergänzung zur Feuerwehr? Oder behalten wir unsere Kernkompetenz?

Glauben Sie, dass es irgendwann auch für Großanschaffungen von der Bundesregierung wieder mehr Geld geben wird?

Ich bin grundsätzlich immer Optimist. Die ersten Wortmeldungen der neuen Bundesministerin machen uns Hoffnung. Sie ist natürlich in einer sehr schwierigen Situation. Die schwierigste Aufgabe ist es nicht, Geld in die Hand zu nehmen, sondern das Geld vom Finanzminister zu lukrieren. Ich gebe mich nicht den Illusionen hin, dass Starlingers Forderung in dieser Dimension kommen wird. Aber dem Investitionsrückstau muss entgegengewirkt werden. Dazu braucht es nicht nur eine Finanzspritze, um in positive Schlagzeilen zu kommen, sondern eine kontinuierliche Verbesserung des BIP-Anteils.

Wie hoch soll der sein?

Richtung 0,8 Prozent des BIP ist aus meiner Sicht unbedingt notwendig (rund drei Milliarden Euro, Anm.).

Die neue Ministerin Klaudia Tanner fordert die Teiltauglichkeit. Was halten Sie davon?

Das finde ich sehr positiv. Es soll ja dazu führen, unsere Präsenzstände zu erhöhen.

In diesem Zusammenhang ist auch stets von einer Attraktivierung des Grundwehrdienstes die Rede.

Da sind wir wieder beim Stichwort Kernkompetenz und Ausrüstung. Es wurde schon sehr viel gemacht, was die Attraktivierung betrifft. Das Alleinstellungsmerkmal ist attraktiv. Ein Soldat zu sein, nicht ein besserer Feuerwehrmann! In speziellen Fähigkeiten ausgebildet zu werden. Modernes Gerät stärkt die Motivation und den Selbstwert, darauf kann man stolz sein. Das verbunden mit einer sinnvollen Ausbildung und einer professionellen Führungsleistung ist Attraktivität genug.

VN-Fotograf Roland Paulitsch dokumentierte die Angelobung