Schüler werden Wirte für einen Vormittag

Vorarlberg / 30.01.2020 • 14:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Wirte aus dem Sonderpädagogischen Zentrum: Nazlican, Onur, Laura, Valentin, die Lehrerinnen Theresa Rusch und Simone Losert sowie Gabi Hampson vom W*ORT. HOFER

W*ORT wird zum Übungsort für Jugendliche mit Förderbedarf.

lustenau „Mmmhhh“, überlegt Nazlican und schaut auf Onur, der gerade eine Tasse Kaffee serviert. „Kellnerin, ja das ist ein Beruf, der mir Spaß machen würde“, verrät sie mit schüchterner Stimme. „Oder Friseurin.“ Die 16-Jährige macht sich derzeit viele Gedanken zur Berufswahl. Nazlican ist Schülerin der Berufsvorbereitungs-Klasse (BVK) am Sonderpädagogischen Zentrum in Lustenau. Ihre Lehrerinnen hoffen, dass sie bis Herbst eine Lehrstelle gefunden hat. Deshalb werden Neigungen, Eignungen, Interessen und Fähigkeiten bereits im Unterricht abgeklärt. Für Nazlican ist deshalb heute ein großer Tag. Nicht nur weil ihre Klasse das Café Donschta im W*ORT leitet, das haben sie schließlich schon öfter gemacht. Doch Nazlican ist an diesem Donnerstag die Tagesmanagerin. Oder anders gesagt: Der Teenager schmeißt heute den Laden.

Vertrauensvoll und zuverlässig

Und genau dafür hat die Schülerin mit sonderpädagogischem Förderbedarf ein besonderes Händchen. „Sie hat einen Blick dafür, wie man ein Buffet appetitlich anrichtet“, lobt Klassenlehrerin Theresa Rusch. Und tatsächlich, das Auge isst mit. Neben Käse und Wurst gibt es auch Aufstrich und Marmelade, und auf einer Etagere leuchten knackige Paprika und frische Gurken. Nicht zu vergessen die hartgekochten Eier, die in Hälften fein säuberlich arrangiert wurden. Zuvor hat sie die Bewirtung geplant und den Einkauf erledigt. „Nazlican ist absolut verlässlich, ich kann ihr blind vertrauen“, drückt auch Simone Losert, ebenfalls Klassenlehrerin, ihre Wertschätzung gegenüber dem Mädchen aus.

Zusammenarbeit

Die junge Frau mit den leuchtend dunkeln Augen und den schwarzen gewellten Haaren ist bereit für einen Wechsel in die Arbeitswelt. „Wenn Nazlican jetzt noch einen Ausbildungsplatz bekommt, haben wir unser Ziel erreicht“, erklären die beiden Pädagoginnen. Durch die intensive Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen wie IfS Spagat oder „dafür“ wird auch das noch gelingen. „Trotz Wirtschaftskrise können rund 80 Prozent der Schüler in Lehren, verlängerten Lehren, integrativen Teilqualifikationen, Anlehren oder geförderten Arbeitsplätzen vermittelt werden“, erzählt Losert mit Stolz. Es gibt genug Beispiele ehemaliger Schüler, die längst ein eigenständiges Leben führen und außerdem engagiert ein Ehrenamt ausüben, etwa bei der freiwilligen Feuerwehr, im Musikverein oder beim Fotoklub.

Mister Kaffeemaschine

Auch für Onur, Chef über die Kaffeemaschine, stehen die Chancen gut. „Ich würde gerne eine Lehre zum Drucker machen“, erzählt der 16-Jährige, der sich selbst als sehr kontaktfreudig beschreibt. Freunde hat er deshalb genug, und den Gästen im W*ORT serviert er den Kaffee mit freundlichen und netten Worten. Sein Markenzeichen ist die geballte Faust als Symbol, dass alles passt.

Kein Wunder, dass der Ort im ehemaligen Freigeist längst zum neuen Treffpunkt für Alt und Jung geworden ist. Auch Leiterin Gabi Hampson sieht die Zusammenarbeit mit dem Sonderpädagogischen Zentrum als sehr wertvoll. „Sie tragen dazu bei, dass das W*ORT ein Ort der Begegnung ist. Da wir ein wechselndes Programm haben, kommen auch die unterschiedlichsten Leute zu uns.“ Beim nächsten Café Donschta, das am heutigen Donnerstag, 30. Jänner, stattfindet, organisieren die Schüler der BVK ein Riebelfrühstück. Geöffnet ist von 9 bis 12 Uhr. Einfach vorbeischauen, der Riebel wird so lecker schmecken wie bei Mama zu Hause. CRO