Ausfall im Land: Coronavirus stoppt chinesische Bustouristen

Vorarlberg / 01.02.2020 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vaduz ist bei Gästen aus Asien (hier aus Taiwan) ein beliebter Zwischenstopp auf der großen Europa-Runde. Gegessen wird dann oft in Vorarlberg. Damit ist aufgrund des Corona-Viruses erst einmal Schluss. VOLKSBLATT

Coronavirusepidemie mit Folgen in Vorarlberg: China-Restaurants spüren Ausfall chinesischer Gäste. In Liechtenstein könnte viel Touristen-Geld verloren gehen.

Gernot Schweigkofler

Feldkirch Der Corona-Virus hält nicht nur China auf Trab. Weltweit wächst die Angst vor einer Pandemie, die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. In Vorarlberg gibt es glücklicherweise noch keine erkrankte. Manche spüren den Virus aber bereits in der Geldbörse: China-Restaurants. Das hat weniger mit den Vorarlbergern zu tun, die genießen weiterhin ihre Acht Schätze. Aber Vorarlberg liegt an einer wichtigen Busroute chinesischer Reisegruppen. Luzern und Innsbruck sind beliebte Ziele, Vaduz wird dabei als längerer Zwischenstopp gern angefahren. Zum Essen fahren dann viele Busse über die Grenze nach Vorarlberg. Diese Reisen fallen jetzt aus: immerhin hat die Chinesische Regierung ihren Bürger ein Ausreiseverbot für Pauschalreisen verordnet.

„Ja, der Corona-Virus macht sich bemerkbar“, sagt Jogie Xing, Juniorchef des China-Restaurant Lotos in Feldkirch: „Es kommen viel weniger Gruppen“. Das Restaurant seiner Familie war bei chinesischen Reisegruppen sehr beliebt, die fallen zunehmend weg. „Es wird wohl bald ganz stoppen“, erzählt er. Für die kommenden Wochen gebe es keine Bus-Buchungen mehr. „Das ist sehr schlecht fürs Geschäft“, erklärt Xing, Zahlen will er aber keine nennen.

In einem anderen China-Restaurant im Oberland, der Chef möchte den Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, habe man von sich aus chinesischen Busreisen abgesagt. „Die Situation ist einfach zu gefährlich“, glaubt der Restaurant-Besitzer, deshalb habe er das bereits vor einiger Zeit veranlasst. Das sei auch dem Druck der Gäste geschuldet, erklärt er. „Viele haben mir gesagt, dass sie nicht mehr kommen, wenn hier chinesische Reisegruppen im Haus sind“.

Andere Restaurants, die vor allem Vorarlberger Gäste haben, betonen hingegen, dass es kein Problem sei. „Ich habe schon ein paar Wochen keine Reisegruppe aus China mehr im Haus gehabt“, erklärt etwa Jianguang Hu vom Hu-Xin Restaurant in Feldkirch. „Sie sind für mein Geschäft auch nicht wichtig“.

Sorgen in Liechtenstein

Vorarlberg nutzen die meisten chinesischen Bus-Reisen maximal als Stopp um zu Essen. Anders ist das wenige Kilometer südlich der Grenze. In Vaduz stoppen jedes Jahr rund 250.000 bis 280.000 Chinesen. Sie stellen damit rund die Hälfte der geschätzt 600.000 Tagestouristen, die jedes Jahr in den Kleinstaat kommen. 50 Prozent kommen aus „Mainland China“, der Rest aus Taiwan und Hong Kong. Sie flanieren durch die Altstadt und kaufen ein: Schmuck, Textiles, Souvenirs und Briefmarken, erklärt Renate Bachmann, Bereichsleiterin Tourismus bei Liechtenstein Marketing. Das gerade zu Ende gegangene chinesische Neujahr, sei noch normal abgelaufen, erzählt sie. „Viele der Gäste aus China haben von sich aus einen Mundschutz getragen“, Probleme habe es keine gegeben.

Das Aus für Gruppenreisen aus China (Hong Kong und Taiwan unterliegen keine Reiseeinschränkungen) könnte Betriebe in Vaduz große Sorgen machen. Denn die chinesischen Gäste gelten als sehr ausgabefreudig. „Die tägliche Wertschöpfung bei chinesischen Touristen liegt bei durchschnittlich 250 bis 300 Franken“, erklärt Bachmann. Das ist ein Vielfaches der europäischen Gäste. Das werde zwar nicht alles im Fürstentum ausgegeben, hier blieben die Gäste ja meist nur einen halben Tag, aber dennoch geht es um viel Geld. „Wenn sich die Lage bis Ende März beruhigt, werden wir es kaum spüren“, sagt Bachmann. Schwierig würde es, wenn in der nächsten Hauptreisezeit, ab Anfang Juni, die Gruppen ausblieben.

Ein Reiseverbot bis in den Sommer hinein wäre wohl auch für so manches chinesisches Restaurant in Vorarlberg fatal.