Jetzt wird Rhesi-Halle geflutet

Vorarlberg / 02.02.2020 • 19:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Riesige Sandhaufen warten in der Versuchshalle auf ihre Verwendung.
Riesige Sandhaufen warten in der Versuchshalle auf ihre Verwendung.

Umbau in der Versuchshalle läuft. Bald wird Hochwasser nachgestellt.

Dornbirn Kies und Sand in unterschiedlicher Körnung liegen haufenweise herum, am Modellrhein wird geschaufelt, geschüttet und verändert. Es ist was los in der Rhesi-Versuchshalle im stillgelegten ehemaligen Fabriksgebäude von F.M. Hämmerle.

Der Rhein wurde auf der Simulationsstrecke bereits maßstabsgetreu aufgeweitet. Beim vorgesehenen Trittstein auf Höhe Lustenau-Widnau sind das 5,60 Meter Breite statt der 1,20 Meter vorher. Das entspricht in der Realität einer Verbreiterung von 60 Metern auf 280 Meter. Der Unterbau ist auf der gesamten Versuchsstrecke schon fast vollständig aufgetragen, jetzt kommt noch das Sandgemisch darauf.

Alles soll so naturgetreu wie möglich werden, der echte Rhein liefert mit seinem Material dafür die Vorlage.

Geschiebeverhalten

„Wir haben in einem Asphaltwerk bei Chur den Sand herstellen lassen: 40 Kubikmeter“, erläutert Bernhard Valenti (46), Projektingenieur der Internationalen Rheinregulierung (IRR), und in dieser Funktion zuständig für den Betrieb in der Dornbirner Versuchshalle.

Kies in drei Korngrößen wird gemischt und für den künstlichen Rhein verwendet. Alles soll so echt wie möglich sein, um verschiedenste Szenarien zu simulieren. „Der Sand lässt sich nicht im Maßstab 1:50 simulieren. Da müssen wir uns mit Berechnungen helfen.“ Beim Versuch selbst wird es darum gehen, wie sich bei verschiedenen Hochwassersituationen das Geschiebe verhält. „Es entsteht dann ja ein dynamischer Raum, der sich stets verändert“, erklärt Valenti.

Schneller und langsamer Rhein

Derzeit registrieren die Experten am Rhein bei Überflutung der Innendämme unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten. „Im Flussbett fließt das Wasser schneller als im Vorland. Das soll nach dem Umbau dort nicht mehr der Fall sein“, betont Valenti. Herausfinden wollen die Ingenieure aber auch, welches Geschiebeverhalten sich am Fuß der Brückenpfeiler im Wasser bei verschiedenen Wassermengen ergibt. Einschlägige Versuche werden an der Technischen Universität Wien gemacht. An der ETH Zürich wird durch spezielle Versuche die Ufersicherheit simuliert.

Tag der offenen Tür

In der Versuchshalle wollen die Ingenieure bis im März mit den Umbauarbeiten fertig sein, um dann im April mit den Versuchen zu starten. Am 16. Mai wird es wieder einen Tag der offenen Tür für die Bevölkerung geben.

Im Winter wird am künstlichen Rhein die letzte Versuchsreihe gestartet. „Dann werden wir die Frutzmündung nachbauen und den Abschnitt von Oberriet bis Koblach austesten“, informiert Valenti. Es ist jener Abschnitt, an dem beim Original die Dammabrückung vorgenommen wird.

Der jetzige Umbau kostet rund 190.000 Euro, insgesamt kosten Aufbau und Betrieb der Rhesi-Versuchshalle 5,1 Millionen Euro.

„Wir haben in einem Asphaltwerk bei Chur den Sand herstellen lassen.“

Es wird derzeit viel gearbeitet am künstlichen Rhein.

Es wird derzeit viel gearbeitet am künstlichen Rhein.

Der Rhein erhält in der Versuchshalle in Dornbirn ein neues Gerinne. Die Hochwasserversuche sollen im April starten.VN/STEURER
Der Rhein erhält in der Versuchshalle in Dornbirn ein neues Gerinne. Die Hochwasserversuche sollen im April starten.VN/STEURER

RHESI-VERSUCHSHALLE

Hallengröße 4700 m2

Modelllänge 100 Meter

Breite 10 Meter

Projektgesamtkosten 5,1 Millionen Euro

Umbaukosten für neue Simulation 190.000 Euro

Tag der offenen Tür 16. Mai