Gekommen, um zu bleiben?

Vorarlberg / 03.02.2020 • 19:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Jagdaufseher fand den frischen Kadaver einer Rehgeiß bei Sibratsgfäll.
Ein Jagdaufseher fand den frischen
Kadaver einer Rehgeiß bei Sibratsgfäll.

Es ist nicht auszuschließen, dass sich der Wolf bei Sibratsgfäll niederlässt.

Egg, Sibratsgfäll Im Grenzgebiet des vorderen Bregenzerwaldes zum Allgäu hin gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Hinweise auf einen Wolf. Entsprechende Meldungen gab es immer wieder. Erhärtet werden diese durch zwei Wildtierrisse: Vor rund zwei Wochen wurde eine Hirschkuh in einem Rotwildgehege bei Egg gerissen. Am Freitag wurde von einem Jagdaufseher der frische Kadaver einer Rehgeiß bei Sibratsgfäll gefunden.

Klarheit in sechs Wochen

Beide Risse könnten von einem Wolf stammen. Eine genetische Untersuchung am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität in Wien soll Klarheit bringen. „Wir rechnen mit einem Ergebnis in vier bis sechs Wochen“, schätzt Landeswildökologe Hubert Schatz. Er hat beide Risse vor Ort begutachtet und die Proben für die DNS-Untersuchung genommen. Dies liegt auch daran, dass es seine Zeit dauert, ausreichend Vergleichsproben zu sammeln.

Im Vorjahr gab es bereits zwei bestätigte Wolfrisse bei Hittisau und Schönenbach. Vergangenen Herbst habe eine Wildkamera bei Hittisau den Wolf fotografiert. Der Verdacht liegt nahe, dass es wieder dasselbe Tier ist. „Es ist nicht auszuschließen, dass eine Ansiedlung stattfinden könnte – auch wenn es dafür noch keine Hinweise gibt“, räumt Schatz ein.

Dass es sich dabei nach dem aktuellen Wissensstand um einen einzelnen Wolf und nicht um ein Rudel handelt, steht einer solchen Ansiedlung nicht im Wege. Jungwölfe verlassen ihr Rudel, um eine eigene Partnerin zu finden. Wenn sie bei dieser Suche, die sie durch riesige Gebiete führen kann, ein geeignetes freies Revier finden, bleiben sie dort gelegentlich für eine längere Zeit – in der Hoffnung, bald ein passendes Weibchen zu finden. Erst wenn diese Hoffnung enttäuscht wird, ziehen sie wieder weiter.

Derzeit geht man davon aus, dass der vermeintliche Wolf sich bevorzugt im Großraum Sibratsgfäll-Hittisau-Balderschwang-Hirschgunttal aufhält. Für Mensch und Landwirtschaft gehe von dem mutmaßlichen Wolfsvorkommen keine erhöhte Gefahr aus, betont Schatz. Den Landwirten kommt zugute, dass derzeit im Winter keine Nutztiere im Freien geweidet werden.

Im Kanton Graubünden wie auch in Deutschland und Italien gibt es mehrere Rudel, welche sich erfolgreich etabliert haben. Deren Jungwölfe finden immer wieder ihren Weg nach Vorarlberg, wobei meist Wildtiere gerissen wurden. Graubünden gab jedoch im vergangenen Herbst vier Wölfe zum Abschuss frei, nachdem ein Rudel immer wieder Jagd auf Schafe machte.

Ein einzelner Wolf scheint sich am Rande Vorarlbergs wohlzufühlen.
Ein einzelner Wolf scheint sich am Rande Vorarlbergs wohlzufühlen.