Teenager zu Videosex animiert: Viereinhalb Jahre Haft

Vorarlberg / 03.02.2020 • 17:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte war während seiner Kontakte geschickt in andere Rollen geschlüpft. ECKERT

54-Jähriger gab sich im Netz als 15-jähriger „Christian“ aus und trieb sein perverses Spiel.

Christiane Eckert

Feldkirch Seit fast einem Jahr sitzt der Deutsche in U-Haft. Er ist weitgehend geständig. Eine ganze Liste von Vorwürfen wird ihm angelastet. Die Masche ist alt, doch immer wieder fallen Internetuser herein. Der arbeitslose Tischler gab sich im Netz als 15-Jähriger aus und kontaktierte Mädchen. Als vermeintlich Jugendlicher mit irgendeinem fremden Foto gelang es ihm, das Vertrauen der Heranwachsenden zu erschleichen. Nach einigem Hin und Her wurden die Chats immer intimer. Fragen nach Selbstbefriedigung und sexuellen Vorlieben kamen zur Sprache. Der Arbeitslose forderte drei Mädchen, zwei im Alter von 13, das dritte Mädchen zwölf Jahre alt, auf, diverse Gegenstände einzuführen und sich selbst zu befriedigen. Bei einem Opfer blieb es beim Versuch, die anderen beiden kamen der intimen Bitte nach.

Geschickt eingefädelt

Auffällig ist, wie glaubwürdig der 54-Jährige den 15-Jährigen spielte. „Ich habe mir abgeschaut, wie die anderen reden, was sie für Abkürzungen verwenden und so habe ich mich dann auch unterhalten“, gibt er bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch sein Geheimnis preis. „Ich habe selbst Kinder, die mittlerweile erwachsen sind. Mit denen hätte ich so etwas nie gemacht. Ich bin nicht pädophil“, behauptet der Deutsche. Der Mann schlüpfte auch geschickt in andere „Rollen“, so etwa in jene eines angeblichen Cousins und den Vater von „Christian“. Auch dies diente der Manipulation. Als sich ein Mädchen weigerte, weitere Aufnahmen per WhatsApp zu übermitteln, drohte er, die früheren Bilder öffentlich zu machen.

Eifersucht

Der Mann erklärt sein Fehlverhalten mit Langeweile. Warum er sich nicht anderer Erwachsenen-Kontaktplattformen bediente, kann er angeblich nicht beantworten, diese seien ihm nicht in den Sinn gekommen. Der arbeitslose Tischler war sogar eifersüchtig, wenn sich die Mädchen mit anderen Jungs im Schwimmbad verabredeten und versuchte, ihnen das zu verbieten. Der Schöffensenat verhängt unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs eine viereinhalbjährige Haftstrafe, einem Opfer werden 5000 Euro zugesprochen, ein zweites bekommt 2000 Euro. „Für Jugendliche ist diese virtuelle Welt genauso echt wie die reale. Zudem fürchten die Opfer, dass irgendwann ihre Bilder im Netz auftauchen“, begründet Richter Martin Mitteregger das Urteil. „Sie sprechen von ‚Fehlern‘, ‚Langeweile‘ und ihrer ‚Einsamkeit‘, von Reue ist nicht viel zu spüren“, so Mitteregger abschließend. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.