Zeugnisboykott und Manifest

Vorarlberg / 03.02.2020 • 21:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Direktor Herbert Zottele und Elternvertreterin Barbara Mock. Das Schreiben ans Ministerium hat‘s in sich. VN-HK
Direktor Herbert Zottele und Elternvertreterin Barbara Mock. Das Schreiben ans Ministerium hat‘s in sich. VN-HK

Auch an der Volksschule Frastanz Hofen regt sich Protest gegen die verpflichtende Ziffernnote.

Frastanz Die Lustenauer Volksschullehrerinnen sind mit ihrem Protest gegen die verpflichtende Ziffernnote nicht alleine. Nun hat sich ein weiteres Widerstandsnest formiert, und zwar an der Volksschule Frastanz Hofen. Dort weigern sich die Eltern der 24 von insgesamt 56 Kindern in der dritten Schulstufe, die Schulnachricht zur Kenntnis zu nehmen. Sie wollen das Dokument entweder gar nicht annehmen oder schicken es mit einem scharfen Begleitschreiben versehen umgehend nach Wien ins Bildungsministerium. Ihre Wünsche haben sie gegenüber der Schule in schriftlicher Form dokumentiert. Über 60 Prozent der Eltern unterschrieben zudem ein Manifest, in welchem sie ihre Ablehnung des Ziffernnotensystems zur Kenntnis bringen.

Voller Elternabend

„Wir haben uns im Vorfeld dieser Maßnahmen mit den Kolleginnen aus Lustenau unterhalten“, berichtet Direktor Herbert Zottele (55). Zuvor hatte es einen Elternabend gegeben, in dem der Wunsch für Maßnahmen gegen die verpflichtende Wiedereinführung der Ziffernnote ab dem zweiten Semester der zweiten Klasse vonseiten der Eltern zum Ausdruck gekommen sei. „140 Eltern waren da. Noch nie war ein Elternabend so gut besucht wie dieser. Wir waren wirklich überrascht“, erzählt der Direktor. Der Schulleiter sieht sich mit den beschlossenen Maßnahmen auf dem Boden des Gesetzes. „Die Ziffernnoten sind ja im zentralen Schulserver erfasst. Aber wenn Eltern keine Ziffernnotenzeugnisse ihrer Kinder wollen oder Schulnachrichten dieser Art umgehend nach Wien schicken, dann ist das wohl ihr gutes Recht“, ist Zottele überzeugt.

Barbara Mock (36), stellvertretende Obfrau des Elternvereines, steht voll und ganz hinter dieser Vorgangsweise. „Wir Eltern stärken den Lehrern den Rücken. Wir wissen, was sie sich mit ihrem pädagogischen Konzept antun, und man kann doch nicht von außen einfach so in ein funktionierendes System eingreifen.“ „Die Ziffernnotenbeurteilung ist mit unserem pädagogischen Konzept samt Beurteilungssystem nicht kompatibel“, macht Zottele deutlich.

Jahrgangsübergreifend

Auch an der Volksschule Frastanz Hofen sind die Drittstufenkinder großteils in jahrgangsübergreifenden Klassen mit Schülern der vierten Schulstufe zusammen. Seit sieben Jahren gibt es auch in Frastanz die alternative Leistungsbeurteilung in Form einer sogenannten Lernverlaufsdokumentation. Diese erhalten alle Kinder zu Semester­ende. Dort sind weit über die Zahl der traditionellen Fächer hinaus zahlreiche Kompetenzen angeführt. Mit einem Haken wird dokumentiert, was das Kind bereits kann.

Wie in Lustenau können die Eltern der Frastanzer Volksschüler natürlich die Ziffernnote einfordern. „Von den Eltern der 115 Kinder in der Grundstufe (Anm: 1. und 2. Klassen) haben das zwei getan“, merkt Lehrerin Birgit Battlog an.

Ziehen andere mit?

Dass noch andere Vorarlberger Volksschulen mit Protestmaßnahmen gegen die Ziffernnote aufbegehren, ist vorstellbar. „Eine große Schule hat sich bereits bei uns erkundigt, was wir machen“, verrät Herbert Zottele.