Musikschulchef im 100. Jubiläumsjahr

Vorarlberg / 04.02.2020 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Bludenzer Musikschuldirektor Thomas Greiner wurde früh auf den musikalischen Pfad gelenkt. BI

Thomas Greiner ist seit 19 Jahren Musikschuldirektor in Bludenz.

Bludenz „Ich komme zwar nicht aus einer klassischen Musikerfamilie, aber Musik spielte bei uns doch eine bedeutende Rolle. Ein Großvater spielte Klavier und sang, der andere Großvater spielte Geige und eine Großmutter spielte ebenfalls Klavier. Mein Vater singt beim Bludenzer Liederkranz und ist mit 87 Jahren immer noch aktiv dabei – insofern waren durchaus familiäre Einflüsse für meine Berufsentscheidung vorhanden“, erklärt Thomas Greiner, Direktor der Musikschule Bludenz.

Um ihn musikalisch zu fördern, bekam er in der Volksschulzeit eine Blockflöte von seiner Großmutter geschenkt. Zuerst probierte er selber, dem Instrument Töne zu entlocken, doch seine Mutter befand, dass die „Herumpfeiferei“ nichts sei und Unterricht vonnöten sei. Dieser erfolgte dann bei Ulrike Reichart, einer geistlichen Schwester. „Es hat mir Spaß gemacht, Blockflöte zu lernen, obwohl dies eigentlich kein innerer Wunsch von mir war. Die Instrumentenwahl erfolgte ja nahezu fremdbestimmt, aber das empfinde ich – auch im Rückblick – als nicht negativ“, erläutert der Musiker. Nachdem ihm empfohlen worden war, Querflöte zu lernen, hörte er auch auf diesen Rat und wurde in die Querflöten-Klasse des damaligen Musikschuldirektors Herbert Baumgartner aufgenommen.

Schon früh durfte er seine Eltern bei Konzertbesuchen begleiten, außerdem gab es zu Hause eine reiche Auswahl an Schallplatten. „Ein Initialerlebnis war für mich, als ich das dritte Klavierkonzert von Beethoven, gespielt von Sviatoslav Richter, hörte. Es war ein sehr einprägsames Erlebnis, das mich tief berührt hat. Ich war absolut fasziniert und habe die Schallplatte immer wieder gehört. Daraufhin habe ich viel bewusster klassische Musik gehört. Zugleich hat es mich motiviert, intensiver zu üben“, erinnert er sich.

Mit anderen Musikschülern habe er in verschiedenen Besetzungen zusammengespielt. Es war ihm zudem ein Bedürfnis, Flötenduette zu spielen: „Ich habe die zweite Stimme geübt, das Stück dann auf einem Kassettenrekorder aufgenommen, wiederum geübt, und dann die erste Stimme dazu gespielt.“ Nichts war zu aufwendig, er hat unzählige Stunden mit diesen Aufnahmen verbracht und dabei viel gelernt. „Musik ist ein Lebensmittel für mich – wie Essen und Trinken“, betont er.

Studium in Wien

Mit 16 Jahren kam er – wiederum durch eine Empfehlung – zur Stadtmusik Bludenz. Gemeinsam durfte er bald mit seinem Freund Thomas Tschofen das Flötenregister für einige Zeit alleine übernehmen, was viel Verantwortung für die beiden jungen Männer bedeutete. Während seiner Wehrdienstzeit bei der Militärmusik fiel dann die definitive Entscheidung, Berufsmusiker zu werden. So bewarb sich Greiner an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien für das Konzertfach sowie Musikpädagogik. Von über sechzig Bewerbern wurden sechs ausgewählt, Thomas Greiner war dabei. Klavier war ein Pflichtfach, außerdem belegte der engagierte Student einen Lehrgang für Atem-, Stimm- und Bewegungserziehung. Während seiner Studienzeit spielte der heute 53-Jährige auch Kammermusik und Orchester. 1994 erfolgte die Rückkehr in seine Heimatstadt. Nach einer Karenzvertretung in der Musikschule übernahm er vor 19 Jahren die Leitung und gestaltete die pädagogische Neuausrichtung entscheidend mit.

Im heurigen Schuljahr feiert die Musikschule ihr 100-jähriges Bestehen mit vielen Veranstaltungen. Aus diesem Anlass wird heute um 19 Uhr im Saal im Schulpark in Bludenz ein „Buntes Konzert“ gegeben, am 5. März findet um 15 Uhr ein weiteres Konzert für Senioren in der Senecura statt. Beide Konzerte werden von Schülern der Musikschule gestaltet. BI