Praxis, Lehre und Forschung

Vorarlberg / 04.02.2020 • 18:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dr. Zimmermann war immer gerne in Vorarlberg, das er sehr geschätzt hat.
Dr. Zimmermann war immer gerne in Vorarlberg, das er sehr geschätzt hat.

Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Zimmermann, Primarius i. R. (1939 bis 2020), verstorben.

DORNBIRN Am 22. Jänner 2020 verschied nach längerer Krankheit Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Zimmermann, Primarius der Chirurgie i. R. Er galt an seinen Wirkungsstätten als Wegbereiter und als integrative Persönlichkeit, die sich stets um die interdisziplinäre Zusammenarbeit und für die Angelegenheiten der Betriebsführung einsetzte. Gerhard Zimmermann war ein liebenswürdiger, einfühlsamer, humorvoller und vielseitig interessierter Mensch. Er war ein begeisterter Bergsteiger und ein leidenschaftlicher Fischer.

Als bereits vielfach ausgezeichneter Chirurg kam Gerhard Zimmermann 1978 als Primararzt der Chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Stadt Dornbirn nach Vorarlberg, dem er in den Jahren 1984 bis 1986 auch als Ärztlicher Leiter vorstand.

Von 1986 bis 2004 war Gerhard Zimmermann Primararzt der Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Landeskrankenhaus Feldkirch – dem Schwerpunktkrankenhaus für Vorarlberg, das unter seiner Initiative zum ersten Akademischem Lehrkrankenhaus der Universität Innsbruck wurde. In den Jahren 1998 bis 2000 war Dr. Zimmermann zugleich Chefarzt des Landeskrankenhauses Feldkirch. Dort trat er am 1. April 2004 in den Ruhestand.

Mit Gerhard Zimmermann begann in Vorarlberg eine neue Ära der großen chirurgischen Eingriffe, vor allem in der Thorax- und Lungenchirurgie und bei Operationen an hormonproduzierenden Organen wie Schild- und Bauchspeicheldrüse. Patienten, die bis dahin außerhalb des Landes geschickt werden mussten, konnten nun in Vorarlberg operiert werden. Neben der außerordentlichen praktischen Tätigkeit war dem Professor und ehemaligen Chefarzt auch die wissenschaftliche Mitarbeit im Bereich der Chirurgie ein großes Anliegen. Während all der Jahre vertraten er und seine Mitarbeiter das Landeskrankenhaus Feldkirch bei allen Chirurgenkongressen, Tagungen und wissenschaftlichen Sitzungen mit eigenen Vorträgen und Präsentationen.

Die Leitung der Chirurgie Feldkirch unter Prof. Zimmermann war stets geprägt durch Offenheit gegenüber diesen Neueinführungen und dem Angebot an die Mitarbeiter zur aktiven Mitgestaltung und Entfaltung der wissenschaftlichen Arbeit. Viele seiner Schüler sind heute als Primarärzte tätig. Im Jahre 1990 wurde ihm auch die Ehre der Ernennung zum Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie zuteil.

Professor Zimmermann selbst verfasste rund 350 wissenschaftliche Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und erhielt zahlreiche Preise. Zudem bekleidete er viele hohe Funktionen in Fachgesellschaften und Gremien im In- und Ausland. Von 1987 bis 2004 war er Mitglied und später stellvertretender Vorsitzender des Vorarlberger Landessanitätsrates. Er wurde mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes Vorarlberg ausgezeichnet. Im Jahre 1992 übernahm er die Funktion des Präsidenten der Österreichischen Krebshilfe Vorarlberg und wurde später Ehrenpräsident. Der heutige Präsident der Krebshilfe Vorarlberg, Toni-Russ-Preisträger ebhard Mathis, erinnert sich: „Gerhard Zimmermann war 1989 eines der drei Gründungsmitglieder der Krebshilfe Vorarlberg und dann fast drei Jahrzehnte Präsident der Österreichischen Krebshilfe Vorarlberg. Bereits damals hatten wir eine medizinisch gute Versorgung von Krebspatienten In Vorarlberg. Doch die psychosoziale Betreuung von Krebspatienten und deren Angehörigen war unzureichend. Prof. Zimmermann hat die Sorgen der Krebserkrankten und ihrer Angehörigen gut verstanden und mit dem Aufbau der Beratungsstelle der Krebshilfe diese intensiv unterstützt. An der Entwicklung der Vorsorgeprojekte wie dem Darmkrebsrisikoprogramm hat er sich maßgeblich eingebracht. Für den Vorstand und die Mitarbeiter hatte er stets ein offenes Ohr und kümmerte sich um deren Anliegen.“

Prof. Gerhard Zimmermann wurde 1939 in Teplitz-Schönau geboren, maturierte in Salzburg und wurde 1963 in Innsbruck zum Dr. med. univ. promoviert, wobei er alle 17 Rigorosen mit ausgezeichnetem Erfolg bestand. Er setzte seine Ausbildung an den Landeskrankenanstalten Salzburg sowie den Universitätskliniken Innsbruck fort und erhielt 1972 den Titel Facharzt für Chirurgie. Es folgten ein einjähriger Studienaufenthalt in New Orleans sowie Studienaufenthalte an den chirurgischen Kliniken in Johannesburg, St. Louis, Freiburg im Breisgau, Basel und Wien-Lainz. 1978 wurde er Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Experimentelle Chirurgie an den Landeskrankenanstalten in Salzburg. EE