Gericht: Haft für Junior von Dealerfamilie

Vorarlberg / 05.02.2020 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte vor dem Schöffensenat hat bereits eine jahrelange Rauschgiftkarriere hinter sich. VN/GS

31-Jähriger organisierte kiloweise Kokain für Abnehmer in Vorarlberg: 24 Monate Gefängnis.

Feldkirch Diese Familie ist gerichtsbekannt. „Sie beschäftigt uns seit Jahren“, stellt Staatsanwalt Manfred Bolter bei seinem Eingangsplädoyer bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch klar. Da gab es Anklagen gegen die Mutter, den Vater und auch der Bruder des nun 31-jährigen Angeklagten saß schon hinter Gittern.

Von Drogen gelebt

Im trauten Heim der Unterländer Sippschaft wurde Kokain bestellt, gestreckt und verdealt. „Da hat man nur gelebt von den Drogen“, sagt Bolter. Doch der Beschuldigte auf der Anklagebank ist nur teilgeständig gegenüber den Vorwürfen, die gegen ihn erhoben werden. Sie sind schwerwiegend. Es geht um das Verbrechen des Suchtgifthandels. Konkret: Der Mann soll in den Jahren von 2013 bis 2015 Drogenlieferanten beauftragt haben, etwa zwei Kilogramm Kokain und vier Kilogramm Cannabis zunächst von Holland nach Deutschland zu schmuggeln. Dafür, dass das Rauschgift schlussendlich bei Vorarlberger Abnehmern ankommt, habe er dann selbst gesorgt.

Sechs Kilogramm Kokain

Zweitens hätte er als Mitglied einer kriminellen Vereinigung rund sechs Kilogramm Kokain und 2500 Gramm Marihuana durch Verkäufe an den Mann gebracht. Doch das könne unmöglich alles stimmen, bestreitet der 31-Jährige die Menge und auch den hohen Reinheitsgrad, der mit bis zu 70 Prozent angegeben worden war. „Ich war selbst kokainsüchtig. Aber diesbezüglich kein Experte“, sagt er vor dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Paul Huber. Auf die Frage desselben, was genau er denn mit dem Kokain, wie viel es auch war, gemacht habe, antwortet er: „Konsumiert, gestreckt, verschenkt und verkauft.“Das Wort „verschenkt“ stößt beim Staatsanwalt auf. „Kokain ist kein Geschenksartikel! Ein Weinhändler handelt für Geld, und so ist das auch den Drogendealern“, wirft er ein.

Bereits verurteilt

Und auch, dass sich der Angeklagte an verschiedene damalige Komplizen angeblich nicht mehr zu erinnern vermag. Zumindest nicht an deren Namen. „Wie der von der Schweiz hieß, weiß ich nicht“, sagt er beispielsweise. Da ist aber noch etwas anderes. „Gesiebte Luft“ ist für den Angeklagten nichts neues. Nachdem er es nämlich nach den Dealergeschäften in den besagten drei Jahren bis 2015 vorzog, für neun Monate in die Türkei zu flüchten, zog er aus Angst vor der österreichischen Justiz nach seiner Rückkehr nach Deutschland – um dort wieder mit Drogen zu dealen, geschnappt und zu sechs Jahren Haft verurteilt zu werden. Nach drei Jahren wurde er vorzeitig entlassen, ging wieder nach Vorarlberg und wurde hier nach wenigen Tagen erneut verhaftet. Wegen der ursprünglichen Rauschgiftgeschäfte, die ihm nun angelastet werden.

„Doppelverfolgung“

Sein Verteidiger Stefan Harg spricht von „Doppelverfolgung“ und davon, dass sein Mandant ein Musterbeispiel von Rehabilitation sei. „Er hat eine Lehre in der Haft begonnen, war Anstaltssprecher, ist tief reumütig und hat eine Stelle in Aussicht.“ Doch der Schöffensenat ist überzeugt von der Schuld des 31-Jährigen und verurteilt ihn im Sinne der Anklage. Das Urteil lautet zwei Jahre unbedingte Haft. Vom Widerruf einer offenen, länger zurückliegenden und damals bedingt ausgesprochenen Haftstrafe von drei Jahren wird allerdings abgesehen. Der Verurteilte erbittet Bedenkzeit.