Wenn die Grippe den Führerschein bedroht

Vorarlberg / 05.02.2020 • 22:09 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Polizei achtet bei ihren Schwerpunktkontrollen nicht nur auf Lenker, die durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigt sind. VN/HB
Die Polizei achtet bei ihren Schwerpunktkontrollen nicht nur auf Lenker, die durch Alkohol oder Suchtgift beeinträchtigt sind. VN/HB

Polizeiarzt Wilhelm Gruber mahnt: Bei Medikamenteneinnahme den Beipackzettel beachten.

Schwarzach Zwei Mal pro Monat führt die Polizei Planquadratkontrollen in den Vorarlberger Bezirken durch. Ihr Schwerpunkt dabei ist bekannt: Im speziellen Visier der Exekutive stehen durch Alkohol und Suchtgift beeinträchtige Fahrzeuglenker.

Riskante Kombination

Aber auch Medikamenteneinfluss trübt die Sinne und schränkt die Fahrtauglichkeit ein. Angesichts der aktuellen Grippewelle müssen derzeit besonders viele Personen zu medizinischen Präparaten greifen.

Und das kann am Steuer gefährlich werden. Der Vorarlberger Polizeiarzt Wilhelm Gruber, bei Schwerpunktkontrollen stets selbst vor Ort, sagt aus Erfahrung: „Schon die Grippeerkrankung allein vermindert die Fahrtauglichkeit um etwa elf Prozent. Das entspricht etwa einer leichtgradigen Alkoholisierung. Kommt dann noch der Einfluss durch eingenommene Medikamente hinzu, kann sich das dann in Kombination derart potenzieren, dass die Fahrtüchtigkeit ernsthaft beeinträchtigt wird.“ Grundsätzlich gilt laut Gesetz: „Ein Fahrzeug darf nur lenken, wer sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen vermag.“ Laut Grubers Erfahrung fallen durchschnittlich zwei von zehn beeinträchtigten Lenkern in die Kategorie des Medikamenteneinflusses. Stellt die Exekutive eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit in Folge einer Medikamenteneinnahme (ohne Suchtgift) fest, so ist mit einer Verwaltungsstrafe in der Höhe von bis zu 726 Euro zu rechnen. Darüber hinaus kann die Polizei die Weiterfahrt verhindern. Als weitere mögliche Maßnahme droht aber auch die vorläufige Abnahme des Führerscheins.

Aufputschende Wirkung

Natürlich werde bei den Schwerpunktkontrollen kein grundsätzliches Augenmerk auf die Beeinträchtigung durch Medikamente hinsichtlich der herrschenden Grippewelle gelegt, versichert Gruber. Er mahnt jedoch zur Vorsicht bezüglich der Wahl der Präparate, die sich zu beruhigend oder aber auch zu aufputschend auswirken, aber: „Nur Aspirin allein hat sicherlich keinen negativen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit.“

Hingegen hochdosierte Codein-haltige Wirkstoffe, wie sie etwa in zahlreichen Schmerzmitteln enthalten sind, seien Risikofaktoren. „Logischerweise achten wir bei unseren Kontrollen auch auf Lenker, die durch Medikamente beeinträchtigt sind. Manche Angehaltene fallen dann aus allen Wolken, weil sie schließlich weder unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen würden“, sagt der Polizeiarzt.

„40 Prozent der Grippemedikamente sind zwar nicht verschreibungspflichtig, dennoch sollte der Beipackzettel wegen möglicher Nebenwirkungen gelesen und im Zweifelsfall das Fahrzeug stehen gelassen werden“, rät Gruber.

„Schon die Grippeerkrankung allein vermindert die Fahrtauglichkeit um etwa elf Prozent.“