Alexander Wieser aus Hard hat aus seiner kriminellen Vergangenheit gelernt

Vorarlberg / 06.02.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Alexander Wieser möchte Jugendliche davor bewahren, denselben Weg einzuschlagen, wie er es tat.

Der 42-Jährige hält Vorträge in Firmen und Schulklassen. Er möchte Jugendliche warnen.

Tanja Schwendinger

Hard Das Geräusch der rasselnden Schlüssel im Knast hat sich bis heute in sein Gedächtnis gebrannt, ebenso wie die Gitterstäbe, durch die er jedes Mal blickte, wenn seine Familie zu Besuch kam. Alexander Wieser ist schon früh auf die schiefe Bahn geraten. Schulden, Schlägereien, Betrug, Diebstahl, Einbruch – all das gehört zu seiner dunklen Vergangenheit. In der Schule war Wieser, wie er sagt, ein „klassisches Mobbingopfer. „Auch zu Hause hatte ich es nicht leicht, ich habe kein Selbstbewusstsein mit auf den Weg bekommen .“ Mit 18 Jahren stand der heute 42-Jährige mit 170.000 Euro Schulden da. Fünf Jobs hat Wieser angenommen, arbeitete unter anderem in einer Schokoladenfabrik, als Türsteher und in einer Bäckerei – in der Hoffnung, den großen Schuldenberg bewältigen zu können. „Aber es hat nicht gereicht, da wurde ich zum ersten Mal kriminell.“ Wieser wurde Mitglied einer jugoslawischen Mafia. Doch der spätere Ausstieg hatte einen hohen Preis. Mit Freunden beging er 23 Delikte, um Geld einzutreiben. „Bis unsere Clique durch eine Spezialeinheit in der Schweiz gefasst wurde.“ Wieser gestand und wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt. „Das war die schlimmste Zeit meines Lebens, aber es hat etwas in meinem Kopf bewirkt“, sagt er. Mit dem Tag der Entlassung begann für ihn ein neues Leben. Er arbeitete sich in einer Firma vom Hilfsarbeiter zum Abteilungsleiter hoch und war auch als Werkstattleiter tätig. „Mein Weg ging aufwärts, ich zahlte meine Schulden zurück und entschuldigte mich persönlich bei den Opfern.“

„Die Jugend ist die Zukunft“

Seine kriminelle Vergangenheit macht er sich heute zunutze, um Jugendliche mit seiner Geschichte zu warnen. Seit Jänner hält der Vater von zwei Kindern hauptberuflich als Motivationsredner Vorträge in Schulklassen und Firmen. „Ich möchte Jugendlichen dabei helfen, nicht denselben Weg einzuschlagen wie ich. Die Jugend ist unsere Zukunft, wir müssen auf sie achten.“ Einen Erfolg fuhr der gebürtige Schrunser kürzlich beim Silent-Speaker-Redewettbewerb in München ein, bei dem 260 Redner aus verschiedenen Disziplinen gegeneinander antraten. Wieser konnte das Publikum mit einem Vortrag zum Thema Jugend überzeugen und gewann den Fernsehpreis beim Sender Hamburg1. Sein Ziel ist es, dass seine Botschaft gehört wird, und das über die Landesgrenzen hinaus. Im Rahmen eines Weltrekordversuchs will Wieser im April mit dem Rucksack nach Hamburg laufen, um Spenden zu sammeln und weitere Firmen und Schüler zu unterstützen.

Auf die Frage, ob er heute Reue verspürt, hat Wieser eine klare Antwort. „Reue ist das falsche Wort. Es war ein Fehler. Doch die Vergangenheit hat mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.“