Der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt

Vorarlberg / 06.02.2020 • 18:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Susanne Westreicher möchte jeden Patienten individuell unterstützen. BI
Susanne Westreicher möchte jeden Patienten individuell unterstützen. BI

Die Psychotraumatherapie ist Susanne Westreichers Spezialgebiet.

Nenzing „Es gab in meiner Familie keine Ärzte und auch keine psychischen Erkrankungen, aber ich wollte immer schon Medizin studieren und mich auf das Fachgebiet Psychiatrie spezialisieren. Woher dieser Wunsch kommt, ist mir bis heute unerklärlich. Während meines Studiums in Innsbruck erkrankte eine Freundin an Bulimie. Ich habe sie in dieser Zeit begleitet und sie unterstützt. Durch diese Erfahrung wurde mir umso mehr bewusst, wie wichtig eine kompetente Ansprechperson bei psychischen Erkrankungen ist“, erinnert sie sich.

Von ihrem Wunsch ist sie nie abgekommen. Geradlinig, strukturiert und klar – wie es ihrem Charakter entspricht – zog sie ihr Studium durch. Ein Großteil der Famulaturen, die das Studium erforderte, absolvierte sie zielgerichtet im Landeskrankenhaus Rankweil. Dort begann sie nach ihrem Abschluss in der Akutpsychiatrie zu arbeiten. Das Berufsbild entsprach voll ihren Erwartungen. Da der engagierten Psychiaterin ein ganzheitlicher Ansatz wichtig ist, bildete sie sich fortlaufend weiter: „Die zusätzliche psychotherapeutische Ausbildung ist für mich besonders wichtig, Psychiatrie und Psychotherapie gehören für mich zusammen. Das Zusammenspiel von beiden Bereichen bildet die Grundlage für den Prozess der Gesundung des Patienten. Zusätzlich ist eine medizinische Abklärung wichtig, um körperliche Ursachen bei Krankheiten wie etwa einer Depression ausschließen zu können.“

Der Mensch als Ganzes steht bei Susanne Westreicher im Mittelpunkt. Dazu gehören auch das psychosoziale Umfeld und die Biografie des Betroffenen. „Ich möchte den Menschen dort abholen, wo er steht und ihm die bestmögliche Unterstützung anbieten. Dieser sehr individuelle Zugang ist sehr komplex. Eine Therapie erfordert genaues Zuhören und Geduld, es soll ein geschützter Rahmen und Sicherheit geboten werden. Leider kommen Patienten oft erst mit einem enormen Leidensdruck in meine Praxis. Manchmal wäre eine frühere Hilfestellung oft sehr hilfreich.“ Die einfühlsame Medizinerin sieht in den letzten Jahren eine Zunahme von Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen, die durch den zunehmenden gesellschaftlichen Druck und Unsicherheiten am Arbeitsplatz und im Familienleben ausgelöst würden. Gerade sensible Menschen erleben ihre Umwelt oftmals als sehr bedrohlich.

Susanne Westreicher hat bereits zahlreiche Ausbildungen absolviert. Das Spezialgebiet Psychotraumatherapie liegt ihr besonders. Sie ist eine der wenigen, die diese Therapieform in Vorarlberg anbieten. Ein Trauma kann ein Verkehrsunfall, ein seelischer oder körperlicher Missbrauch, der plötzliche Verlust eines geliebten Menschen oder auch ein Bindungstrauma aus der Kindheit sein. Die Verarbeitung solcher Traumata ist ein Prozess, der oft über Jahre dauert und eine gute Begleitung braucht.

Nachdem Susanne Westreicher in den letzten fünf Jahren die Leitung einer psychiatrischen Ambulanz in einer Klinik in Trübach in der Schweiz innehatte, hat sie sich mit Beginn des Jahres entschlossen, in Nenzing eine Praxis zu eröffnen. BI

Zur Person

Susanne Westreicher

Geboren 29. Juli 1979

Familie verheiratet, Sohn Moritz

Hobbys Lesen, Musik