Keilerei zwischen Vater und Sohn

Vorarlberg / 06.02.2020 • 22:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der 17-jährige Angeklagte kam mit einer Diversion davon. eckert
Der 17-jährige Angeklagte kam mit einer Diversion davon. eckert

Familienstreit mit Körperverletzung blieb ohne gerichtliche Verurteilung.

Feldkirch Anfang September kam es in Lustenau zu einem Familienstreit. Die Nachbarn riefen sicherheitshalber die Polizei, immerhin ging es zwischen dem 17-jährigen Sohn und dessen Vater ziemlich laut und rabiat zu. Der Hintergrund ist harmlos. Weder der Jugendliche noch der Vater hat sich strafrechtlich bislang etwas zuschulden kommen lassen. Ein Streit, wie er bei Jugendlichen in der Pubertät häufig anzutreffen ist. Die Eltern haben ihre Vorstellungen von Ordnung und Lebensgestaltung, die Kinder haben bereits ihre eigenen.

Vor allem wenn Eltern aus einem anderen Kulturkreis stammen und die Kinder in Vorarlberg geboren und aufgewachsen sind. So kam es auch in dieser Lustenauer Familie an jenem Abend zu einer Auseinandersetzung, die eskalierte. Mittlerweile haben sich aber alle wieder versöhnt.

Auch zugeschlagen

Dass die Nachbarn damals die Polizei riefen, ist verständlich, denn Vater und Sohn teilten beide ordentlich aus. Blaue Flecken, Kratzer im Gesicht und eine Bisswunde am Rücken. Beide hatten nach dem Vorfall eine Zeit lang Schmerzen, doch nun ist alles vergessen und vergeben. Als die Beamten eintrafen und den Streit schlichten wollten, widersetzte sich der 17-Jährige und versuchte die Polizisten zu behindern. Damit hat er einen versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt verwirklicht. Dass er versuchte, einen Beamten zu verletzen, gilt als versuchte schwere Körperverletzung, weil Polizisten vom Gesetz besonders geschützt sind. Dem Jungen gelang allerdings weder der Widerstand, noch wurde ein Beamter verletzt. Blessuren bekamen somit nur Vater und Sohn ab. Beide teilten aus und beide – körperlich etwa gleich stark – mussten einstecken.

Ausnahmsweise Diversion

Dass sie einen Fehler gemacht haben, wissen beide. Der Junge hat eine Lehre in Aussicht und beginnt bald eine Ausbildung. „Als Vater habe ich mich sicher auch falsch verhalten“, räumt das Familienoberhaupt bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch ein. Richterin Sabrina Tagwercher bietet den Streithähnen eine Diversion an. In dem Fall 200 Euro Geldbuße für den Vater und 300 Euro Buße für den Sohn, der mehrere Delikte verwirklicht hat. Normalerweise ist bei mehreren Delikten eine Diversion nicht so einfach möglich, doch in diesem Fall willigt Staatsanwalt Simon Steixner ausnahmsweise ein.

Der Vater begleicht seine Strafe und streckt dem Sohn das Geld für dessen Strafe vor. Damit gilt das Verfahren endgültig als eingestellt. Der große Vorteil: Vater und Sohn gelten als unbescholten, haben also keine Vorstrafe in ihrem Strafregister stehen. EC