Zum 100. Geburtstag zieht er noch einmal die Tanzschuhe an

Vorarlberg / 06.02.2020 • 13:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aus der Sportlermischung bäckt Georg Seethaler sein eigenes Brot. ERH

Für Georg Seethaler aus Dornbirn gehören reichlich Bewegung, Maßhalten und viel Glück zu einem langen Leben.

dornbirn Seine 100 Jahre sind dem schlanken Mann nicht anzusehen. Am Küchentisch sitzend erzählt Georg Seethaler, dass er dafür einiges tut. „Von nichts kommt nichts“, betont der sportliche Senior. Die tägliche Gymnastik sind 30 Kniebeugen und Übungen für die Beibehaltung der Beweglichkeit, beim Duschen gilt das Ritual der kalten Güsse. Sein Fitnessprogramm ergänzt er mit Spaziergängen und dem Turnen mit Kneipp-Aktiv im „Treffpunkt an der Ach“. Neben den Genen, die stimmen müssen, sei das sein Rezept für ein hohes Alter. „Bewegung ist Leben, und Leben ist Bewegung“, ist sein Leitspruch.

Skilanglauf war sein Lieblingssport, bei Wettkämpfen ging er oft als Sieger hervor. Dazu empfiehlt er Maßhalten beim Essen und Trinken. Sein eigenes Brot bäckt er aus der Sportlermischung, und am liebsten trinkt er Johannisbeersaft mit Wasser. „Beim Sektempfang im Schwanen werde ich aber ein Gläschen trinken“, schickt er freudig voraus. Da wird der Jubilar von seinen vier Kindern, zehn Enkeln und elf Urenkeln mit Anhang zum 100. Geburtstag gefeiert. Mit Sicherheit wird er auch das Tanzbein schwingen, das Tanzen ist immer noch sein liebstes Hobby, vom Tango über den Fox bis zu Rock’n’Roll. „Das wird ein Zinnober werden“, sagt er lachend.

Im Krieg bis nach Ägypten

Die Familie gründete er mit Trudi (Gertrud, geb. Wohlgenannt) in der Spinnergasse, 2003 ist sie nach den 18 schönen gemeinsamen Pensionsjahren verstorben. Während der Jahre, die Georg im Krieg war, hat sie auf ihn gewartet. „Ich habe in jeder Beziehung Glück gehabt“, sinniert er. „Heiligabend 1946 bin ich heimgekommen, am 20. Oktober 1947 haben wir geheiratet.“ Die Eheringe hatte er im Offizierscasino in Ägypten gekauft, wo er gegen Kriegsende stationiert war. „Die Hochzeitsreise ging mit der 150er Puch bis nach Venedig – etwas schwierig zu meistern war die Strecke über den San Bernardino“, erinnert er sich. Schlimmes erlebte er an der Front in Russland und Polen, mit Erfrierungen an den Füßen kam er ins Lazarett und zwischendurch nach Hause. Lange erzählt er detailgetreu von den Gräueln und doch hatte er Glück, wie er immer wieder betont. Auch auf Episoden in Ägypten kommt er zu sprechen, wo sie – in der späten Erinnerung – „wie Gott in Frankreich“ lebten.

Ein Waggon voller Rosinen wurde von der Truppe in Maische verwandelt und destilliert. „Aus Fässern haben wir eine Brennerei und damit eimerweise Schnaps gemacht“, gibt der betagte Mann preis. „Die Fellachen haben den Schnaps von uns gekauft.“ Der Vater war Bundesförster. Als ­Ältester von vier Geschwistern und der einzig noch Lebende folgte Georg seinem Beispiel. In den damaligen Dornbirner Bundesforsten war er bis zur Pensionierung 1985 beschäftigt. Am 11. November 1985 wurde ihm das „Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ verliehen. „35 Kilometer Forststraßen wurden in meiner Zeit gebaut und 15.000 neue Pflanzen gezogen. 4500 bis 5000 Festmeter Holz haben wir nach dem zehnjährigen Hauungsplan jährlich geschlägert und im Gütle versteigert“, erzählt er.

Geboren wurde Schorsch, wie er auch genannt wird, im winzigen Erpfendorf, in der Nähe von St. Johann in Tirol. „Es gab eine einklassige Volksschule für acht Schulstufen und 24 Schüler. Strom hatten wir keinen, aber Wasser kam von der Quelle über Holzrohre ins Haus.“ Die Hauptschule besuchte er in Wörgl. „Man hat mir Manieren beibringen wollen“, sagt er von der Zeit, als er dort wohnte und um acht ins Bett musste. Zucht und Ordnung habe er zuvor nicht gekannt, „lieber war ich in den Wäldern mit dem Dackel unterwegs“. Die Familie kam 1934 ins Försterhaus nach Dornbirn. Georgs Vater hatte sich der Kinder und ihrer Ausbildung wegen hierher versetzen lassen. erh