Diesel ausgelaufen: Freispruch für Lkw-Fahrer

Vorarlberg / 07.02.2020 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte fuhr den weiten Weg von Russland zum Gericht. Eckert
Der Angeklagte fuhr den weiten Weg von Russland zum Gericht. Eckert

25-jähriger Russe tat alles, was in seiner Macht stand, dennoch muss er einiges zahlen.

Feldkirch Ende Juni suchte ein junger Berufskraftfahrer mit seinem Laster in Rankweil den Autobahnparkplatz bei der Frutzbrücke auf. Er musste seine gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit einlegen. Als er im Dunkeln etwas rumpeln hörte, blieb er sofort stehen und sah nach.

Ein geöffneter Kanaldeckel lag am Parkplatz auf dem Asphalt. Er wurde beim Drüberfahren des Reifens schräggestellt, verkeilte sich mit dem im Schacht befindlichen Metallkreuz und ragte dadurch weit nach oben. So weit, dass dadurch der Tank des Lkw aufgerissen wurde. Obwohl der Fahrer rasch reagierte und mit Lappen das Loch zu stopfen versuchte, liefen rund 300 bis 400 Liter Diesel aus.

Kollegen halfen

„Du musst den Lappen einseifen, dann hält er besser!“, empfahlen ihm andere Kollegen. Der Ölverschmierte war so geistesgegenwärtig, dass er gleich die Leitung zum zweiten Tank abklemmte. Dort befanden sich noch weitere 800 Liter Treibstoff. Sie wären nachgelaufen, sobald der erste Tank leer war. Der Russe forderte polnische Kollegen auch sofort auf, die Polizei zu verständigen, irgendjemand, der Deutsch kann, setzte dann den Notruf ab. Laut Aufzeichnungen traf rund 40 Minuten später die Polizei ein. Die Staatsanwaltschaft sah im Verhalten des Berufskraftfahrers eine fahrlässige Beeinträchtigung der Umwelt, weil er nicht sofort die Feuerwehr alarmiert hatte. Für Richterin Sonja Nachbaur war jedoch von Anfang an klar, dass dieser Prozess nicht mit einem Schuldspruch enden kann. Sie fragt noch einmal nach, doch wie bereits von der Polizei protokolliert – der Mann tat alles, was in seiner Macht stand.

Wenig Alternativen

Der 25-Jährige wurde sofort selbst tätig, um den Schaden zu begrenzen. „Ich hätte nicht gleichzeitig telefonieren können, ich hatte ölverschmierte Hände, ich hätte das Handy nicht einmal halten können“, sagt er. Außerdem beherrscht er weder Deutsch noch Englisch, er hätte sich selbst im Falle eines getätigten Notrufes nicht verständigen können. Die Einsatzzentrale hätte gar nicht gewusst, was überhaupt los ist. Über den Freispruch ist er froh. Doch auf den Kosten, die angefallen sind, wird er vermutlich sitzen bleiben.

Da wären die Fahrtkosten von Weißrussland nach Feldkirch, dazu 5000 Euro für die Entsorgung des Aushubs, weitere 1700 Euro für Bindemittel und den Einsatz. Zudem hat ihm sein Arbeitgeber bereits 1000 Euro für den beschädigten Tank und den ausgelaufenen Treibstoff vom Lohn abgezogen. Das Urteil ist rechtskräftig. EC