Christiane Eckert

Kommentar

Christiane Eckert

Richtig gehandelt, trotzdem gestraft

Vorarlberg / 08.02.2020 • 17:05 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

1300 Kilometer ist er aus Weißrussland angereist. Und das, um sich einen Freispruch abzuholen. „Sie haben nichts falsch gemacht“, heißt es in der Urteilsbegründung. Doch wer denkt, dass der Bund dafür sämtliche Kosten übernimmt, der irrt. Obwohl der Mann bereits vor der Polizei alles ausführlich schilderte, wurde er angeklagt und vor Gericht zitiert.

Das Thema, wer den schadensursächlichen Kanaldeckel offengelassen hatte, wurde übrigens überhaupt nicht erörtert. Somit bleibt auch die Frage, ob nicht derjenige für den Gesamtschaden haftet, unbeantwortet. Im Strafverfahren sind Zivilfragen kein Thema. Und zivil wird es schwierig für den jungen Weißrussen. Er kann weder unsere Sprache, noch kennt er unsere Gesetze. Doch er bekommt eine Rechnung nach der anderen ins Haus geschickt.

Die Richterin lobt die Aufrichtigkeit des Angeklagten, dass er überhaupt die weite Reise angetreten hat, um sich dem Strafverfahren zu stellen. Finanziell kann sie ihm nicht helfen. Der junge Russe hat gerade geheiratet, verdient 1000 Euro im Monat und ist viel unterwegs. Sein Arbeitgeber hat ihm bereits ein ganzes Monatsgehalt abgezogen. Für den beschädigten Tank und Treibstoff, sagt er. Weiters wollen Erdentsorgungsfirma und Einsatzkräfte ihre Kosten ersetzt und immer wieder gehen die Rechnungen an ihn. Die Reise zum Gericht und retour nach Russland bezahlt er ebenfalls aus eigener Tasche. Wenigstens ist er kein Umweltsünder, doch angesichts der Forderungen, die an ihn herangetragen werden, ist das ein schwacher Trost. In Weißrussland versucht er nun auf eigene Faust, juristischen Rat zu finden, denn hier bekommt er von niemandem Hilfe.